Leinleitertal mit Quelle

 

 

  Leinleitertal Koordinaten

 

 

Nach starken Regenfällen oder während der Schneeschmelze gehört die Wanderung im Leinleitertal oberhalb der Heroldsmühle mit zu den eindrucksvollsten Wassererlebnissen in Bayern. Dann setzt der große Tummler das gesamte Leinleitertal unter Wasser. Wie groß die Wucht seines Wassers sein kann, sieht man an den großen Felsbrocken, die er aus der 18 Meter langen Quellhöhle gespült hat. 

Während dieser große Tummler jeweils nur für kurze Zeit Wasser führt, ist der kleine Tummler etwa 200 Meter talaufwärts länger aktiv. Schon dieser allein kann zusammen mit zahlreichen kleineren Wasseraustritten das obere Leinleitertal so mit Wasser anfüllen, dass es ratsam ist, mit Gummistiefeln zu laufen, um auf den Pfaden links und rechts des jungen Baches keine nassen Füße zu bekommen.

So sehr uns heute diese Tummler mit ihren plötzlichen, schwallartigen Wasserausbrüchen faszinieren mögen, so galt es in früheren Zeiten als schlechtes Omen, wenn sie im Frühjahr kräftig Wasser führten. Man deutete dies als Zeichen, dass Missernten bevorstünden. Deshalb werden periodische Quellen in den deutschen Juragebieten auch als "Hungerbrunnen" bezeichnet. Allerdings ist die Begrifflichkeit für intermittierende Quellen nicht eindeutig, sie wird in verschiedenen Karstregionen unterschiedlich und häufig ungenau gebraucht. 

Im fränkischen Jura werden Quellen, die während der Trockenphasen zwar nicht versiegen, aber stark verringerte Schüttungen zeigen, zumeist als „Hungerbrunnen“ oder „Geuder“ Quellen bezeichnet. Für „Tummler“ ist hingegen charakteristisch, dass sie bei starken Niederschlägen und Schneeschmelze extrem hohe Schüttungen haben und dabei meterhohe Wasserfontänen entwickeln können, in Trockenzeiten dagegen gar nicht schütten. Sie befinden sich meistens in Trockentälern, wo sie mit ihren spektakulären „geysirartigen“ Wasseraustritten zwar nur kurz aktiv, dann aber eine beliebte Touristenattraktion sind. Viele der Tummler, die ohne Vorwarnung plötzlich als Fontänen aus der Erde schossen und dabei ganze Orte unter Wasser setzten, wurden schon früh zugeschüttet, verschlossen, überbaut. So gehört der große Tummler im Leinleitertal zu einem der letzten, die ihr Temperament noch ungezügelt ausleben dürfen. 

Für den Begriff „Tummler“ gibt es mehrere Herkunftserklärungen, von tumidus (lat., sich emporhebend), „taumeln“ bis hin zu dem Verb „tumble“ (engl., „springen“). Früher wurden die Wasseraustritte am Tummler von der lokalen Bevölkerung mit der Bewegung eines im Untergrund in einer Höhle gefangenen großen Fisches erklärt, der durch heftige Bewegungen seiner Schwanzflosse die Wasserbewegung auslöste. In älteren Beschreibungen wird sogar das Auftreten von Forellen in dem aus dem Tummler ausströmenden Grundwasser beschrieben. Tatsächlich ist aber zumeist das Überlaufen von Siphons in den unterirdischen Höhlensystemen für das schwallartige Ausbrechen des Wassers verantwortlich.

Auch im Sommer, wenn das Trockental der oberen Leinleiter kein Wasser führt, ist es wegen seiner Magerwiesen mit vielfältigen Blumen, Schmetterlingen, Amphibien und Insekten einen Besuch wert. Jedes Jahr zieht ein Wanderschäfer vorbei, um die Flächen offen zu halten und so diesen wunderbaren Landschaftscharakter zu bewahren. Die permanente und als Naturdenkmal ausgewiesene Leinleiterquelle , rund 700 Meter südlich der Tummler in der Nähe der Heroldsmühle gelegen, bildet dann den Ursprung des Flusses. Sie besteht aus mehreren Einzelquellen auf 475 Meter Höhe, die entlang eines etwa 40 Meter langen Beckens Karstwasser mit einer mittleren Schüttung um 20 l/s führen. 

Eine schöne Einstimmung auf die Leinleiterquellen ist es, die ruhige und bezaubernde Landschaft von Ebermannstadt her entlang des Flusses mit dem Rad anzufahren.