Kainspring

 

 

Kainspring und Melchiorbrunnen Koordinaten

 

 

In der Ortschaft Vogtei bei Oberdorla im Unstrut-Hainich-Kreis liegen in einem Umkreis von etwa 700 m vier Karstquellen: der Kainspring und der kleine, versumpfte Kainspring wenig nördlich, der Melchiorbrunnen und der nur periodisch schüttende Dietelhainsbrunnen in einem Gehölz auf freiem Feld.

Beim Kainspring und dem Melchiorbrunnen handelt es sich um Erdfälle mit den typischen steilen Abbruchkanten, die sich nach unten hin oft noch erweitern können. Durch Erdrutsche nimmt die Tiefe solcher Quelltöpfe im Lauf der Zeit immer mehr ab, wie es in jüngerer Zeit etwa im nur wenige Kilometer entfernten Thomasbrunnen beobachtet wurde.  

Das Wasser beider von Bäumen umstandenen Quelltöpfe entstammt wesentlich dem gleichen tiefen Grundwasserleiter, der auch für die örtliche Wasserversorgung genutzt wird. Es hat einen hohen Anteil an Mineralstoffen mit insgesamt rund 30 °dH (davon der Kainspring 10,6 ° und der Melchiorbrunnen 14,3 ° Sulfathärte) und eine durchschnittliche Temperatur von rund 9 °C. Der im Augenblick etwa 12 m tiefe Kainspring mit einem Durchmesser von 30 m schüttet als der ergiebigere Quelltopf durchschnittlich etwa 100 l/s, der mit 23 m deutlich tiefere aber kleinere Melchiorbrunnen nur 20 l/s. Die Färbung des Wassers beider Brunnen unterschiedet sich trotz des gemeinsamen Ursprungs etwas, was auf unterschiedliche Mikroalgen im Wasser zurückzuführen sein dürfte.

Der Erzählung nach sollen hier einst zwei Knaben mit Murmeln gespielt haben - einer mit Namen Kain. Dem fiel beim Spielen eine seiner Murmeln in eine Ritze zwischen einigen großen Steinen in einer kleinen Mulde. Als Kain versuchte, die Steine hochzuheben, um die Kugel hervorzuholen. wankte einer der Brocken. Noch bevor Kain nach seiner Murmel greifen konnte, schoss ihm ein starker Wasserstrahl entgegen, der bald die ganze Mulde füllte. Sein Spielgefährte rief ihm erschrocken zu: „Spring, Kain du wirst sonst ertrinken!“.

Tatsächlich wird der Kainspring bereits im Jahr 1367 urkundlich erwähnt, ist vermutlich aber noch wesentlich älter. Ein Gedenkstein an der Quelle erinnert an eine Dorfstelle „Kogen“, die hier von 970 bis 1480 gestanden haben soll und aus dem Kainspring vermutlich ihr Wasser bezog.

Der benachbarte und kleinere Melchiorbrunnen entwässert in den Wilden Graben, der als Seebach der Unstrut zufließt. Der Grund dieser Quelle besteht nach Berichten von Tauchern aus meterhohem Kalkschlamm, durch den das Karstwasser nach oben drückt und den Schlamm so zum Brodeln bringt. Im Einsturzkrater haben sich zahlreiche Äste der umliegenden Bäume verkeilt, die stark mit Kalk versintert sind.

Die beiden sehr schönen Quellen sind über einen ausgeschilderten Weg gut zu erreichen, allerdings etwas unnahbar, weil tiefliegend und von vielen Bäumen umgeben. Deshalb hat man im Winter den besseren Blick auf ihr Wasser. Sie lassen sich zusammen mit den zahlreichen anderen Quellen der Gegend sowie dem Museum Opfermoor mit dem Fahrrad in eine schöne und informative Wasserroute einbinden oder von Oberdorla aus zu Fuß erkunden.