Quellmoor Enzianwiese

 

 

 Kalktuffquellflur Enzianwiese Koordinaten

 

 

Unterhalb des Heubergs, am Rand des hügeligen Hochplateaus des Samerberg, staut sich im Randbereich des spätglazialen Schmelzwassersees das Grundwasser und es treten in einer leicht geneigten Wiese zahlreiche Kalktuffquellen aus. Hierdurch hat sich ein Niedermoor mit einer nur noch selten anzutreffenden Pflanzengemeinschaft gebildet. Von besonderer Bedeutung sind die als Naturdenkmal ausgewiesenen Enzianwiesen, die hier im April bis Juni in voller Blüte stehen. Sie sind Eigentum des Bundes Naturschutz und werden von diesem gepflegt. Die Wiesen bitte nicht betreten! Zur Blütezeit ist von der Straße her ein Zugang abgegrenzt (47.746692, 12.196653), der eine gute Sicht auf die Pflanzen erlaubt.

Solche Wiesen sind das Ergebnis traditioneller Landwirtschaft. Seit jeher mähten die Bauern des Alpenvorlandes nasse, "saure" Wiesen, um aus dem getrockneten Mähgut Einstreu für ihre Ställe zu gewinnen. Das arbeitsintensive "Strahmahn" war auch am Samerberg üblich. Besonders im Bereich der Filze oder in Quellgebieten der umliegenden Moränenhügel (sog. "Mösel") wurden Niedermoorwiesen einmal im Jahr gemäht - im Spätsommer oder Herbst. Auf dem nicht gedüngten Feuchtgrünland entstand so eine einzigartige Vielfalt an Tier- und Pflanzenarten, die zum unverwechselbaren Charakter der Samerberger Kulturlandschaft gehört. Dort, wo die jährliche Mahd der Streuwiesen unterbleibt, entwickeln sich meist schnell Schilfbestände und Bruchwälder. Viele Blumen und mit ihnen zahlreiche Insekten verschwinden.

Wer sich für Plätze mit interessanter Geschichte interessiert, kann von Nussdorf her zunächst am Mühlenweg und dann weiter einen Pilgerweg mit 14 Kreuzwegstationen hoch zur Enzianwiese nehmen. Er führt vorbei an der 1720 im Rokoko-Stil erbauten Wallfahrtskirche Maria Einsiedel. Sie ist hervorgegangen aus einer früheren Einsiedelei in einer Höhle, der "Quarantan" (47.743200, 12.177100; im Volksmund das Wort für Quarantäne). In deren Nähe gibt es auch einen alten Stollen, dessen Gips in den Nussdorfer Mühlen verarbeitet wurde, sowie einen "Schlupfstein" (47.743017, 12.177017). Der Pfad zu den Höhlen zweigt bei Mariä Heimsuchung ab, ist aber stark überwachsen und nur für geländeerfahrene Wanderer geeignet.

Der vorchristliche Kult des "Druchkriechens" durch enge Löcher und Spalten in Steinen wird heute noch an den unterschiedlichsten Orten gepflegt, um unliebsame Dinge wie Krankheiten, Schuld oder Laster "abzustreifen". An die 50 solcher nachgewiesener Ritualorte soll es weltweit geben, 6 davon in Bayern. Viele der Durchschlupfsteine sind so eng, dass für die wesentlich größeren heutigen Menschen kein Durchkommen mehr ist.

Nahe der "Quarantan" gab es eine Quelle, deren Wasser alten Erzählungen zufolge früher ungenießbar gewesen sein soll. Als der Einsiedel Bruder Michael, ein ehemaliger Tuchmachergeselle, um das Jahr 1645 eine Reliquie in das Wasser legte, die er aus Rom mitgebracht hatte, und Fürbitte sprach, wurde die Quelle zur wundertätigen Heilquelle. Der Zulauf von Pilgern wurde so groß, dass für das Marienbild des Bruders zunächst wenig oberhalb der Höhle eine Kapelle erbaut wurde, später dann die heutige Wallfahrtskirche Mariä Heimsuchung im Kirchwald. Noch heute wird der Ort vom Eremiten Bruder Damian, einem gebürtigen Hamburger, betreut. Die heiltätige Quelle soll um das Jahr 1925 versiegt und ihre ehemalige Lage nicht mehr bekannt sein. Immerhin findet sich kurz hinter der Kirche am Kreuzweg eine kleine Brunnenkapelle (47.740117, 12.175100) mit gutem Trinkwasser.

Vorbei an der Enzianwiese kann man den Rückweg auf der zwar geteerten aber ruhigen Straße durch das sehr schöne Mühltal am Steinbach nehmen. Sie führt vorbei an einem kleinen E-Werk (47.749901, 12.198822), das seit 1919 von Bewohnern des Samerbergs genossenschaftlich betrieben wird, und an einer alten Mühle (47.748835, 12.189855).