Schlichemklamm

 

 

Schlichemklamm Koordinaten

 

Die Schlichemklamm ist Teil des größten Naturschutzgebietes im Landkreis Rottweil, des 218 Hektar großen Natur- und Vogelschutzgebietes Schlichemtal. Es erstreckt sich entlang der unteren Schlichem zwischen der Bundesautobahn 81 im Osten und der Schlichemmündung in den Neckar im Westen. Beschrieben wird das Gebiet als „reich strukturiertes Tal mit Umlaufberg und schluchtartig in den Kalk eingeschnittener Schlichemklamm, Felsbildungen, Steppenheiden, Schafweiden, Magerrasen, Feuchtwiesen und verschiedene Waldtypen“.

Vom Schlichemursprung (48.212433, 8.870917) in 880 Metern Höhe bis zu seiner Mündung unternimmt der gerade einmal 34 Kilometer lange Fluss mit teils stark mäanderndem Lauf eine geologische Reise durch die Deckschichten des Erdmittelalters bis vor etwa 240 Millionen Jahren.

Im Albvorland bei Hausen am Tann tritt die Schlichem in den Braunen Jura ein, den „Dogger“. Kennzeichnend für den Talgrund bei Schömberg ist der Posidonienschiefer mit reichhaltigen Fossilieneinlagerungen, der in Dotternhausen abgebaut wird. Bei Dautmergen trifft die Schlichem auf den harten Stubensandstein des Keupers und bildet Gefällestufen.

Ihre Klamm hat sie schließlich in den Oberen Muschelkalk und Mergel gegraben, dessen Schichtung an den Felswänden entlang des Flusses wunderbar zu erkennen sind. Dass dies Gestein alles andere als dauerhaft ist, zeigen neben der tiefen Einkerbung durch den Fluss auch ständige Rutschungen. Im Jahr 1967 stürzten rund 200 Kubikmeter Gestein vom Schlichemfelsen und verschütteten den Weg und das Bett der Schlichem. Entstanden ist dadurch eine wildromantische Landschaft, die mit ihren Gumpen, Kaskaden und steilen Wänden seltenen Vogelarten wie Wasseramsel, Falke und Eisvogel Lebensraum bietet. Beeindruckende ist die Kulisse vor allem, wenn der Fluss viel Wasser führt oder in kalten Wintern auch gefriert. Bei niedrigen Pegeln hat das Wasser mitunter einen leichten Geruch von Abwasser, das anscheinend oberhalb aus einer Kläranlage eingeleitet wird – ein Geruch, der einen leider an vielen Fließgewässern begleitet.

Die Wasserkraft der Schlichem wurde früher von mehreren Mühlen genutzt. Im Bereich der Schlichemklamm hatte die Ramsteiner Mühle einen eigenen Triebwerkskanal und den etwa 200 Meter langen Mühlkanal des Butschhofs erkennt man noch über dem linken Flussufer. Von den einst stattlichen Gebäuden des Butschhofes, der schon im Mittelalter als Meierhof erbaut wurde, ist heute noch ein schönes Fachwerkhaus erhalten.

Butschhof um 1910

Der schönste Flussabschnitt liegt zwischen Ramsteiner Mühle und Butschhof. Da sich die Kulisse flussauf und flussab unterschiedlich präsentiert, raten wir, diese kurze Wanderung direkt am rechten Ufer der Schlichem als Hin- und Rückweg zu nehmen. Man kann sie ergänzen durch einen Abstecher zur Ruine der Burg Urslingen, die auf eine interessante Geschichte zurückblickt.