Frankreich
Reiseinformationen
Frankreich misst mit seinen 13 Regionen in Europa und seinen fünf Überseegebieten Französisch-Guayana, Guadeloupe, Martinique, Mayotte und Reunion insgesamt 643.801 Quadratkilometer. Damit ist es flächenmäßig das größte Land der Europäischen Union. Im Folgenden bleiben die Überseegebiete unberücksichtigt ebenso wie die Insel Korsika, die sich vor etwa 11,5 Millionen Jahren mit dem Entstehen des Mittelmeeres als korsisch-sardischen Platte vom Kontinent abspaltete und in historischer Zeit politisch wie gesellschaftlich eine Sonderrolle spielte.
Verglichen mit dem 357.340 Quadratkilometer großen Staatsgebiet Deutschlands ist alleine Festlandfrankreich (France métropolitaine) mit 543.965 Quadratkilometern mehr als eineinhalbmal so groß. Die Bevölkerungsdichte liegt mit ca. 65 Millionen Einwohnern bei etwa 105 Einwohner pro Quadratkilometer, während sie in Deutschland mit seinen 84 Millionen Einwohnern bei 234 Einwohner pro Quadratkilometer und damit mehr als doppelt so hoch ist. Die Urbanisierung ist mit etwa 80% ähnlich hoch wie in Deutschland. Allein in der Metropolregion Paris leben über 13 Millionen Einwohner, in der Region Auvergne-Rhône-Alpes weitere acht Millionen.
Dem stehen überaus dünn besiedelte ländliche Gebiete vor allem im Südwesten, im Zentralmassiv und im Nordosten gegenüber. Einige von ihnen liegen auf Karstgestein, landschaftlich reizvoll, aber mit wenig natürlichen Wasservorkommen. Die Böden wurden in der Vergangenheit vor allem als Schafweiden genutzt und die Infrastruktur ist mancherorts bis heute spärlich. Auf den oft einspurigen Straßen begegnet man kaum einem Fahrzeug, sodass sie selbst mit Wohnmobilen problemlos zu befahren sind. Wer allerdings meint, Frankreich böte dem Individualreisenden aufgrund dieser Weitläufigkeit eine hohe Flexibilität, wird bald eines Besseren belehrt. Denn das Land verzeichnet weltweit die höchste Touristenzahl und an vielen Plätzen wird es besonders während der Sommermonate eng.
Die Beliebtheit ist der kulturellen Vielfallt wie der einzigartigen Schönheit vieler Landstriche geschuldet und mancher „Frankophile“ fühlt sich zudem von der französischen Lebensart angezogen. Paris mit Eiffelturm, Louvre, Triumphbogen und Versailles sind Sehnsuchtsziele, die Côte d'Azur mit Saint-Tropez, Cannes, Antibes und Nizza gilt als Wiege des Tourismus, die Schlösser des Loiretals gehören zu den meistbesuchten weltweit.
Dabei reichen die Kulturdenkmale und geschichtsträchtigen Orte so weit in die Vergangenheit zurück wie kaum sonst wo in Europa: die grandiosen Höhlenmalereien im Vézère-Tal rund 20.000 Jahre, die Megalith-Stätten in der Bretagne immerhin 7.000 Jahre. Viele Hinterlassenschaften stammen aus römischer Zeit, die dem Land bis heute ihren Stempel aufgedrückt hat. Die Überreste städtischer Besiedlung und Bauwerke wie die Pont du Gard (de.wikipedia.org/wiki/Pont_du_Gard), das Aquädukt von Gier und viele andere (Wasser-)Bauten zeugen von der herausragenden Ingenieurskunst der Römer. Wehrhafte Festungen, prächtige Schlösser und großartige Kirchenbauten repräsentieren alle historischen Epochen - ihre Zahl wird auf über 50.000 geschätzt. Vieles gehört zu den wichtigsten Hinterlassenschaften des Abendlands und wird von der UNESCO als Welterbe gewürdigt.
Im Jahr 2024 machten 102 Millionen ausländische Touristen und noch mehr Franzosen Urlaub im Land. Viele der kulturellen und landschaftlichen Highlights teilen daher das Schicksal von Touristenzielen weltweit: Vor allem im Sommer sind bekannte Museen und Sehenswürdigkeiten über Wochen ausgebucht, Wanderouten, Canyons und markante Küstenabschnitte heillos überlaufen, Straßen verstopft, an Schleusen stauen sich Hausboote. Viele Franzosen haben zudem das Wohnmobil für sich entdeckt, sodass deren Zahl – im Gegensatz zu Camping- und Stellplätzen – stark zugenommen hat. In manchem Canyon, manchem Bergdorf ist die Parkplatzsuche zum Fiasko geworden, der Verkehr für die Ortsansässigen zur Zumutung. An gefragten Küstenabschnitten wurden Fahrverbote verhängt, Park- und Stellplätze liegen oft weit abseits. Gut, wenn man da aufs Rad umsteigt. Wer die Möglichkeit hat, sollte deshalb das Frühjahr, den Spätsommer und Herbst nutzen, wenn überdies die Temperaturen angenehm sind.
Nicht nur in Paris herrscht Gedränge, sondern auch an manch "verstecktem Juwel". Den Versuch etwa, an einem März-Wochenende 2024 die Quelle der Cuisance im Departement Jura zu besuchen, mussten wir aufgeben. Die Parkplätze waren wegen Überfüllung geschlossen, die Anfahrtswege kaum passierbar. Die Franzosen verbringen ihre Freizeit gerne in der Natur, gesellig und oft in größeren Gruppen. Mitunter hat man den Eindruck, alle Touristen würden aus unerfindlichen Gründen zur gleichen Zeit die gleichen Ziele ansteuern. Wer Ruhe sucht, sollte im Netz nach unbekannteren Zielen Ausschau halten. Je weniger Fotos und „Däumchen“, desto besser! Auf unserer Quellenkarte sind zahllose solcher Kostbarkeiten zu finden, die man selbst im Sommer oft für sich alleine hat.
Ein wenig Landeskunde
Das Netz bietet zahlreiche brauchbare und hilfreiche Infos für den Urlaub in Frankreich. Hier sollen lediglich einige Aspekte angerissen werden, die dem ausländischen Touristen das Land, seine Gesellschaft und sein Selbstverständnis besser zugänglich machen. So etwa liegt ein historisch bedingter Unterschied zwischen Frankeich und Deutschland, den beiden Kernländern Europas, in ihrer staatlich-gesellschaftlichen Organisation. Während in Deutschland die "Kleinstaaterei" vor der Reichsgründung von 1871 zu föderalen Strukturen führte, ist Frankreich ein Musterbeispiel des Zentralismus.
Der Sonnenkönig Ludwig XIV., der von 1643 bis 1715 regierte, machte das Land zum Inbegriff des absolutistischen Staates. Es folgte die Epoche der Aufklärung mit dem Konzept einer Gemeinschaft von Bürgern, die sich selbst regieren. Sie mündete in die Französische Revolution (1789–1799), die mit der Deklaration von Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit den feudal-absolutistischen Ständestaat von der Bühne fegte und in breiten Volksschichten ein ausgeprägtes Gefühl der nationalen Einheit wachrief. Wo früher die tradierten lokalen Traditionen den Alltag bestimmt hatten, führte das neue Nationalbewusstsein zu einer zunehmenden Zentralisierung der Macht.

Manche der historischen Landschaften sind noch in den Namen heutiger Verwaltungseinheiten erhalten. Doch wurde Frankreich zunehmend dominiert von seiner Hautstadt Paris mit dem Gemeindeverband Métropole du Grand Paris und den umliegenden Gebieten der Region Île-de-France. Sie bilden heute den politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Mittelpunkt des Landes und prägen es wesentlich. Die Ballungsräume Lyon, Marseille-Aix-en-Provence, Lille oder Toulouse folgen mit weitem Abstand. Dieser Zentralismus lässt oft vergessen, dass es auch in Frankreich zahlreiche historisch gewachsene Volksgruppen gibt, die sich von der französischen Mehrheitsgesellschaft als ethnische (sprachliche, religiöse usw.) Minderheiten unterscheiden.

In der Vergangenheit waren es vor allem Korsen, die ihre Unabhängigkeit (wikipedia.org/wiki/Korsikakonflikt) lautstark und teilweise gewaltbereit einforderten. Weniger bekannt sind Bestrebungen von Basken, Bretonen, Katalanen, Flamen, Okzitaniern oder Bevölkerungsgruppen im Elsass und Lothringen, ihre Sprachen und kulturellen Besonderheiten zu bewahren. Bereist man Frankreich mit Ruhe, nimmt man auch als Außenstehender die Unterschiede im Wesen verschiedener Volksgruppen wahr.
Die anhaltende Blockadebewegung, die Ausdruck einer Entfremdung breiter Bevölkerungsschichten von den politischen und gesellschaftlichen Eliten ist und Frankreich seit Jahren lähmt, richtet sich vordergründig gegen Neoliberalismus, Rentenreform und unsoziale Sparmaßnahmen. Sie hat ihre Wurzeln aber auch in Nachteilen des zentralistischen Einheitsstaats wie der mangelnden Berücksichtigung regionaler Eigenheiten oder immer längeren Wegen durch die Instanzen.
Frankreichs Naturräume und Gewässer

Physische Übersicht Frankreichs
Frankreich bietet von der Nordsee bis zum Mittelmeer, von den 3.400 Meter hohen Pyrenäen bis zum Mont Blanc (4.810 Meter) in den Alpen außerordentlich vielgestaltige Naturräume. Die vulkanische Vergangenheit des Landes bildete über Jahrmillionen Landschaften wie die Chaîne des Puys, eine Kette von über 80 Vulkanen. Zu ihnen gehören die Lavakuppel des Puy de Dôme und als jüngster Vulkan der Lac Pavin, der erst vor etwa 6.700 Jahren entstand. Auch die Haute Cevenne war bis vor 12.000 Jahren aktiv, weshalb es als „Land der jungen Vulkane“ bezeichnet wird.
All dies ist Teil des 1.885 Meter hohen Zentralmassivs, das mit seinen Gebirgen und einsamen Hochflächen 15% der Landesfläche einnimmt. Teils hat es Mittelgebirgscharakter, teils haben seine markanten Erhebungen die Merkmale von Hochgebirgen. Die Besonderheit des Gebiets mit Vulkankegeln, Maren, Schlackenkegeln, Lava-Strömen und Kraterseen wird mit interessanten Geoparks gewürdigt. Besonders markante Relikte aus vulkanischer Zeit sind Basaltorgeln, etwa im UNESCO Geopark Monts d’Ardèche bei Jaujac. Heute werden die Vulkane im Zentralmassiv als ruhend eingestuft.

Die Flussbecken der Seine, die durch Paris zur Nordsee fließt, der Loire und Garonne, die den Weg zum Atlantik nehmen, und der Rhône, die ins Mittelmeer mündet, waren seit jeher wichtige Verkehrs- und Handelswege sowie Zentren der kulturellen Entwicklung. Ihre teils sehr weitläufigen und fruchtbaren Ebenen ermöglichten gute landwirtschaftliche Erträge und Wohlstand, während das Leben in den Gebirgen entbehrungsreich war. Noch heute spiegeln historische Stadtkerne und pompöse Schlösser in den Niederungen den Gegensatz zum Leben in den oft kargen Bergdörfern wider.

Hydrologische Ausgangssituation
Die schiffbaren Flüsse wurden nach und nach durch ein System von Kanälen ergänzt, das die kommerziellen Zentren des Landes miteinander verband. Mit zunehmender Größe der Lastkähne mussten viele Routen aufgegeben werden, die zwischenzeitig hohe Bedeutung der Binnenschifffahrt brach ein. Heute ist Frankreich ein Eldorado für Bootsfahrer. Während Kanuten und Rafter die Wildwässer von Flüssen wie Durance, Ardèche, Verdon, Hérault oder Aude befahren, gibt es für Hausboote ein Netz von insgesamt rund 8.000 schiffbaren Kilometern, das in nahezu alle Landesteile führt. Besonders beliebt sind der Canal du Midi, die Camargue und Burgund.
Nicht weniger abwechslungsreich als die Fließgewässer sind die Küsten. Sie reichen von der Jadeküste und grandios abfallenden Kreidefelsen an der Nordsee über die stark gegliederten und von Wellen umtosten Küsten am Atlantik bis zum Mittelmeer mit Côte d‘Azur, Camargue und den bekannten Salzwasserlagunen (Ètangs), den größten Seen Frankreichs.
Viele der Süßwasserseen im Landesinneren sind künstlich angestaut und dienen als Wasserspeicher oder zur Fischzucht. So etwa die über 700 Quadratmeter große Teichlandschaft um Villars-les-Dombes östlich der Saône, ehemaliges Sumpfgebiet, das Mönche im 19. Jahrhundert trockenlegten, um die Malaria zu bekämpfen und in großem Stil Hechte und Karpfen zu züchten. Die schönsten Binnenseen liegen im Bereich von Alpen und Pyrenäen, darunter der Lac du Bourget, der mit 145 Meter Tiefe und 45 Quadratkilometer Ausdehnung größte natürliche See Frankreichs. Nördlich stellt eine ausgeschilderte Route von 150 Kilometer Länge die Jura-Seen und zahlreiche Wasserfälle vor.

Die rund 70 Seen des Haut-Jura mit seinen Kalk- und Mergelketten aus dem Mesozoikum sind zum Teil mit geschmolzenem Eis gefüllt und ihr Wasser ist von wunderbarer Farbe. Sie sind Teil der bei Touristen besonders beliebten Karstgebiete Frankreichs, zu denen auch viele der grandiosen Schluchten und Höhlensysteme gehören. Von letzteren bringen es einige auf über 40 Kilometer Länge, in denen Grundwasserleiter und ganze Flüsse auf mehreren Etagen unterirdische Parallelwelten bilden. Den Wasserkreislauf der französischen Karstgebiete stellen wir unten gesondert dar.
Frankreichs Hydrogeologie
Frankreich erhält durchschnittlich 480 Milliarden Kubikmeter Niederschlag im Jahr sowie elf Milliarden Kubikmeter Oberflächenwasser aus Nachbarländern (einschließlich des Rheins). Die mediterranen Regionen im Süden weisen ein trockenes und wechselhaftes Klima auf, im Südwesten treten häufig Dürren auf. Der überwiegende Teil der Niederschläge geht durch Verdunstung und Transpiration über die Vegetation verloren, 108 Milliarden Kubikmeter sind als Oberflächenwasser gespeichert. Dem gegenüber befinden sich nach Schätzungen zwei Billionen Kubikmeter Wasser in Aquiferen, die allerdings nicht gleichmäßig über das Land verteilt sind und deren Verfügbarkeit stark schwanken kann.
Die Geologie Frankreichs wird gemeinhin in das Pariser Becken, das Armorikanische Massiv, das Zentralmassiv, das Aquitanische Becken, die Pyrenäen, die Alpen, die Côte Languedocienne, das Sillon Rhodanien, das Vogesenmassiv, das Ardennenmassiv, den Rheingraben und das flandrische Becken unterteilt. Der Blick auf eine Karte zeigt die überaus komplexen geologischen Verhältnisse des Landes, die sich in seiner Hydrogeologie widerspiegeln.

Die Hydrogeologie unterscheidet im Wesentlichen vier große Provinzen:
- Große Sedimentbecken (Becken-Aquifere), von denen das Pariser Becken und das Aquitanische Becken die wichtigsten sind. Dort finden sich mächtige Schichtfolgen aus Kalkstein, Sandstein und Kreide, die teils sehr ergiebige Grundwasserleiter bilden.

- Kalkgebiete und Karstsysteme, vor allem im Jura, Causses (Südfrankreich) und Teilen Burgunds großflächig vertreten. Sie zeichnen sich durch sehr hohe Durchlässigkeit, Mangel an Oberflächenwasser, unterirdische Flüsse in verzweigten Höhlensystemen, große Quellen mit stark variierenden Schüttungen und Tuffsteinbildung aus. Karst ist eine der wichtigsten Grundwasserressourcen, aber auch besonders anfällig für Verschmutzung.
- Kristalline Massivgebiete vor allem in den alten Massiven (Armorikanisches Massiv in der Bretagne und Normandie, Zentralmassiv, Vogesen, Teile der Alpen und Pyrenäen) mit Granit und Gneis als dominierenden Gesteinen. Hier gibt es zur Trinkwasserversorgung nur lokale, wenig ergiebige Vorkommen, meist in Verwitterungsdecken oder Störzonen.
- Küsten- und Entlang großer Flüsse (Loire, Rhône, Garonne) und in Küstenebenen (Camargue, Aquitaine, Atlantikküsten) gibt es ergiebige Schotter- und Sand-Kies-Aquifere. Sie sind allerdings anfällig für Übernutzung, Versalzung (Meerwassereintrag) und Verschmutzung durch Landwirtschaft.
Die zahlreichen thermalen und mineralischen Quellen (Vichy, Evian, Badoit u.a.) gehen auf jeweils besondere geologische Strukturen zurück und stammen überwiegend aus tiefen Speichern. Im vulkanischen Zentralmassiv und in den östlichen Pyrenäen fördern viele Kurorte ihre Thermalwässer aus Hunderten Metern Tiefe zutage, an anderer Stelle tritt Thermalwasser durch artesischen Druck im Aquifer von alleine an die Oberfläche. Seit prähistorischer Zeit wurden viele der Quellen zu Heilzwecken genutzt, anderen kam über Jahrtausende eine hohe rituelle Bedeutung zu. Wir haben den Ritualquellen, Heiligen Quellen und Heilquellen Frankreichs (Fachbeitrag) einen ausführlichen Beitrag gewidmet.
Der Wasserkreislauf im französischen Karst
Hydrogeologisch am interessantesten sind die französischen Karstgebiete (verlinken mit Fachartikel Quellen der Touvre): der Jura (Merokarst), der Vercors im äußersten Westen der französischen Alpen und die benachbarte Chartreuse, der Gebirgsstock des 1.909 Meter hohen Mont Ventoux in der Provence, die Pyrenäen und die Causses mit Teilen der Cevennen. Als "Causse" werden weite Hochebenen aus verkarstetem Kalkgestein bezeichnet, wie die Grand Causses im westlichen Teil der Cevennen. Einige der Departements sind nach den Karstflüssen bezeichnet, die mit ihren markanten Schluchten die Landschaft dominieren: Lot, Hérault, Tarn-et-Garonne usw.
In vielen der Karstquellen Frankreichs treten ganze unterirdische Flüsse an die Oberfläche. Während der Schneeschmelze und nach anhaltend starken Niederschlägen bilden sie trübe Sturzfluten, zumeist haben sie glasklares, türkisfarbenes Wasser, das einem runden Dutzend der französischen Karstquellen den Namen „Source Bleue“ (blaue Quelle) eingebracht hat. Manche der Quellen versiegen zeitweise vollständig, wie die bekannte Source de la Sorgue (auch Fontaine Vaucluse) in der Provence mit ihrem 300 Meter tiefen Schlund. Sie liegt am Fuße einer 230 Meter hohen Kalksteinfelswand, hat mit ihrem 1.240 Quadratkilometer großen Einzugsgebiet eine mittlere Schüttung von 21.800 l/s, bringt es aber bis auf stattliche 81.400 l/s (Dezember 2003).

Austrittshöhle der Sorgue mit seitlicher Markierung von Wasserständen
Neben unzähligen Höhlen und Grotten, grandiosen Schluchten, Flüssen und Quellen bietet der Karst gewaltige Gesteinseinstürze und Dolinen, Naturschächte („Aven“), Flussschwinden und Trockentäler, Kalksinter und Tropfsteinbildung, Klippen, Felsbögen und Felsüberhänge („Abris“). Ganz überwiegend sind sie durch die erosive Kraft des Wasserkreislaufes entstanden. Bei Naturliebhabern gelten die französischen Karstgebiete mit ihren grandiosen Canyons, Flüssen, Quellen und Höhlen als beliebte Ziele. Es gibt allein rund 200 Schauhöhlen, darunter zahlreiche aktive Wasserhöhlen, von denen einige mit Booten befahren werden, in anderen wird Canyoning angeboten.

In den Grottes de Maxange bei Le Buisson-de-Cadouin scheint die Schwerkraft aufgehoben zu sein
Der unterirdische Teil des Wasserkreislaufs wird seit Jahrhunderten erforscht. Dank verbesserter Ausrüstung wurden in den letzten Jahrzehnten viele neue Erkenntnisse gewonnen, doch immer wieder bilden Engstellen und Siphons unüberwindliche Hindernisse. Trotz unzähliger Färbeversuche birgt der Weg des Wassers in dieser unterirdischen Welt noch immer zahlreiche Geheimnisse.
Eines der hydrogeologisch interessantesten Gebiete ist das Vallée de la Dordogne, das wegen seiner außergewöhnlich hohen Zahl an Höhlen, Grotten und anderen unterirdischen Formationen auch als „Tal der tausend Höhlen“ bezeichnet wird. Hier verläuft unter anderem die geologische Verwerfung von Meyssac, an der mehr als 200 Millionen Jahre alter Sandstein des Zentralmassivs auf jurassische Kalksteinsedimente trifft, die einige zehn Millionen Jahre später abgelagert wurden. Schon die Jäger und Sammler im Magdalénien vor etwa 13.500 bis 12.500 Jahren suchten während der ausgehenden Eiszeit Schutz in diesen Höhlen, wie zahlreiche Funde von Skeletten, Werkzeugen und Schmuck zeigen. In einigen haben sich großartige Wandmalereien erhalten, etwa in der Grotte von Lascaux, die im Vergleich zu anderen Höhlen des Périgord relativ trocken ist, da sie von einem Mergelhorizont abgedichtet wird.

Unterirdische Wasserläufe im südwestlichen Departement Lozere
Becken des Karstflusses Ouysse
Gefährdete Trinkwasserversorgung – auch in Frankreich
In Summe ist Frankreich reich an oberflächennahen und tiefen Grundwasserleitern. Erst kürzlich wurde ein großes Vorkommen in den eozänen Sanden bei Lausagnet entdeckt, das für den Raum Pau-Toulouse von großer Bedeutung ist. Allerdings reagieren gerade die Karst- und Becken-Aquifere, aus denen ein großer Teil des Trinkwassers in Frankreich stammt, besonders empfindlich auf Schadstoffeinträge.
In jüngerer Zeit sind vor allem Mikroplastik, Medikamente und PFAS (per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen) in den Fokus gerückt, ein hormonähnlicher Stoff, der in Verdacht steht, die Fortpflanzungsfähigkeit (nicht nur) von Fischen und Lurchen zu beeinträchtigen und der inzwischen selbst tiefere Grundwässer langfristig kontaminiert. Selbst 25 Jahre nach einem EU-weiten Verbot lässt sich noch immer Atrazin im Grundwasser nachweisen. Die meisten der rund 30.000 in Europa genutzten Chemikalien werden erst gar nicht umfassender untersucht. So gilt auch in Frankreich Nitrat aus Stickstoffdünger und Tierdung als Hauptproblem, das durch die Landwirtschaft eingetragen wird. Langzeituntersuchungen am ungespannten Grundwasser im Departement Eure-et-Loir (Chartres) verdeutlichen es:

Nitratkonzentration im Grundwasser
Ähnliche Probleme haben Regionen mit geringer Wasserverfügbarkeit wie die Bretagne, das Elsass und Regionen im südlichen Zentralmassiv. Der zu hohe Nährstoffgehalt des Wassers lässt sich häufig schon mit bloßem Auge an den Schleimalgen erkennen, die in Quellen und ihren Bächen während der letzten Jahrzehnte stark zugenommen haben. Lediglich dünn besiedelte Gebiete mit extensiver Landwirtschaft, wie man sie in Gebirgsregionen, weiten Teilen Nordeuropas und im Westbalkan findet, kennen heute noch Grundwasser ohne Nitratbelastung. Hier sind auch die Gemeinschaften aus Pflanzen, Kleinstlebewesen, Mikroorganismen und Algen noch intakt, die sich auf nährstoffarmes Quellwasser spezialisiert haben.
Frankreichs Heilige Quellen und Waschhäuser (Lavoirs)

Bonne fontaine de Courbefy, Bussière-Galant
In Frankreich sind heute über 2.000 Heilige Quellen bekannt, manche von ihnen mystische Orte, die nachweislich von gallischer Zeit bis Mitte des 20. Jahrhunderts rituell und medizinisch genutzt wurden. Unzählige Thermal- und Mineralquellen wurden zudem in römischen Thermen und zwischenzeitig fast 100 Kurorten genutzt. Es sind abertausende historische Brunnen und Waschhäuser (Lavoirs) erhalten. Früher von zentraler Bedeutung für das Leben von Mensch und Tier, waren sie nach der Zentralisierung der Wasserversorgung vorübergehend aus dem öffentlichen Bewusstsein verschwunden.
Mit dem zunehmenden Interesse vieler Franzosen an ihren historischen Landschaften und deren Traditionen haben auch Heilquellen, Brunnen und Waschhäuser wieder eine Aufwertung erfahren. So wurden in den letzten Jahrzehnten zahllose Informationen und Sagen zu Frankreichs Heiligen Quellen, seinen Thermalquellen, Brunnen und Waschhäusern zusammengetragen, die wir in einem ausführlichen Fachartikel (Frankreichs Heilige Quellen und Waschhäuser) vorstellen.