Innleiten

 

 

Die Innleiten bei Rosenheim Koordinaten

 

Die landschaftlich – derzeit noch - überaus reizvolle Innleite östlich von Rosenheim bietet interessante Aspekte zu Wasser und Geologie wie auch zur Besiedelung, die bis in vorrömische Zeit zurückreicht. Aktuell sind sie bedroht durch den Brennerbasistunnel, für den eine der möglichen Trassen-Varianten das Gebiet quert.

Geschaffen wurde die markante Geländekante (Leite) durch den Fluss, der sich tief in die eiszeitliche Moränenlandschaft grub, so lange er sich noch frei bewegen durfte. Inzwischen ist er mit Staustufen versehen und kanalisiert, lediglich einige Landschaftsteile wie die Innleiten gemahnen noch an den ursprünglichen Flusslauf. Im gesamten Voralpenland (Wasserland Deutschland) gibt es unzählige solcher Leiten, nur an den wenigsten dürften Flüsse aber noch ihrem natürlichen Lauf folgen.

Hier bei Stephanskirchen schloss der Inn mit seinen Leiten am rechten Ufer Grundwasserschichten auf, aus denen zahlreiche Quellen strömen. Nördlich von Mühltal werden sie zur Trinkwasserversorgung genutzt, südlich treten sie zum Teil aber noch frei aus. Die vermutlich einzige Quelle, die hier an den Leiten artesisch aus einem tiefen Grundwasserlager aufsteigt, ist die bekannte Leonardsquelle (47.883883, 12.143817). Sie war sicherlich schon den Römern bekannt und wurde mindestens seit dem 18. Jahrhundert zu Heilzwecken genutzt, vorübergehend sogar für ein „Mineralbad zur Leonhardsquelle“, das in einem einfachen Holzbau heilsame Wannenbäder anbot.

Der Weg entlang der Innleite gibt auf zahlreichen Tafeln ausführliche und interessante Informationen zu Geschichte, Flora und Fauna der Gegend. In jüngerer Zeit war sie geprägt durch ein Landgut mit interessanter Geschichte, das 1883 eine Familie Gillitzer erwarb. Sie wollte den Gutsbetrieb Innleiten mit Fischzucht und Obstbaumplantagen voranbringen und legte um die Fischteiche einen Landschaftspark an, dessen Bäume noch heute machtvoll in den Himmel ragen. Selbst Kronprinz Ludwig, der König Ludwig III., machte sich 1898 bei einem dreitägigen Aufenthalt ein Bild von dem innovativen Gutsbetrieb – der allerdings nicht kostendeckend arbeitete. Als er 1905 zwangsversteigert werden musste, gab es hier bereits die erste Tankstelle Rosenheims. 

Gut Innleiten im Jahr 1897

Unsere leichte, gut fünf Kilometer lange Wanderung (Komoot: Tourenvorschlag) ist überaus abwechslungsreich. Sie führt vorbei an Quellen, die auf unserer Quellenkarte (47.866557, 12.142138) positioniert und näher beschrieben sind, durch wunderbaren Hochwald, vorbei an vielen Fischbecken zum Gut Innleiten und zur Leonhardsquelle (47.883883, 12.143817) mit ihrer kleinen Kapelle, dem ehemaligem Badewirt und der Abfüllstation der St. Leonhards Quellen. Von dort geht es am Inn, vorbei an Wiesen und Altwässern, zurück zum Ausgangspunkt. Wer sich für die zahlreichen Informationen interessiert, die unterwegs zu verschiedensten Aspekten der Innleiten angeboten werden, sollte mindestens zwei Stunden für die Tour einplanen. Nördlich der Leonhardsquelle führt ein Wanderweg weiter zur Einöde Mühltal, wo einige der kräftigsten Quellen liegen. Auf dem Grund des dortigen Eigentümers ist man aber ausdrücklich nicht willkommen.