Eglinger Filz

 

 

Quellenweg und Eglinger Filz Koordinaten

 

 

Die hier vorgestellte Quellenwanderung ist etwas für Menschen, die sich gerne auf Entdeckungstour begeben – im Wald einem Wasserlauf folgen, über eine Wiese laufen und auf einem schmalen Pfad ein Stück Eglinger Filz kennenlernen. Der kurze Weg bietet vielfältige Landschafts- und Vegetationsformen, die von der letzten, der Würmkaltzeit geprägt sind.

aus: Verein zum Schutz der Bergwelt: Veröffentlichung von 1986

Die hat den spätglazialen Wolfratshauser See gebildet, an dessen Nordufer Egling lag und der im Süden bis nach Penzberg reichte. Als sie vor etwa 12.000 Jahren dann endete, hat sie zwischen Dietramszell und Deining neben aufgetürmten Schottermoränen einen Komplex aus Senken und Mulden zurückgelassen. In denen konnten sich durch die klimatischen Bedingungen des Alpenvorlandes zahlreiche Moore entwickeln, die lange Zeit nur von hochspezialisierten Tier- und Pflanzenarten besiedelt waren. Später dienten sie den Menschen zur Streuwiesenmahd und für kleine Handtorfstiche Es folgten Entwässerungsmaßnahmen wie im Eglinger und Ascholdinger Filz, wo Torf bis in die 1960er manuell gestochen wurde. Ab den 1970ern wurde in ihren südlichsten Teilen der Torf maschinell abgefräst.

Am westlichen Rand der Filz steigt eine fast 100 Meter hohe Moräne auf, deren Höhen drei Kilometer westlich dann von der Isar eingeschnitten werden. Das Grundwasser unter der Filz fließt vermutlich wie das im Isar-Loisach-Tal von Süden nach Nord. Die Quellen entlang unseres Weges am Fuß der Seitenmoräne, die teilweise zu Nagelfluh verdichtet ist, werden aber vermutlich von Niederschlägen auf den Schotterhöhen gespeist. Ihre Erscheinungsformen sind sehr unterschiedlich: Manche sickern großflächig aus dem Schotterhang und aus den moorigen Wiesen, andere bilden kleine Tümpel, wieder andere scheiden den Kalkstein, mit dem sie sich im Untergrund angereichert haben, als Tuff ab. Ihr Wasser wird für kleinere Fischteiche genutzt, die – anders als kommerzielle Aquakulturen - geringe Besatzdichten haben und das Wasser so wenig belasten, dass es sich selbst wieder regenerieren kann. Mit wenigen Ausnahmen entwässern die Quellen mit dem oberen und unteren Holzbach zunächst nach Norden, wo ihr Wasser früher die Sebaldmühle und die Angermühle antrieb. Danach fließt es im stark mäandernden Moosbach mitten durch die Filz nach Süden zur Isar.

aus: BayernAtlas

Die Eglinger Filz selbst ist ein Hochmoor, da sie ihr Wasser wesentlich von nährstoffarmen und sauren Niederschlägen bezieht, wodurch typische Torfmoose entstehen. Die können an der Oberfläche zwar bis zu 20 Zentimetern im Jahr wachsen, wegen ihrer Zersetzung und Komprimierung nimmt die Torfschicht aber nur um etwa ein Millimeter pro Jahr zu. Ähnlich langsam wachsen Niedermoore, die von mineralhaltigem Grundwasser gespeist werden, nährstoffreicher und sehr viel artenreicher sind.

Mit rund 200 Hektar bilden die Eglinger und Ascholdinger Filze den größten zusammenhängenden Moorkomplex im nördlichen Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen. Aufgrund seiner guten Artenausstattung wurde er 1986 als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen. Es sind Strauchbirke (Eiszeitreliktstrauch) und Sonnentau (fleischfressende Pflanze) zu finden sowie Brut-Vogelarten wie Baumpieper, Neuntöter und Krickente. Aufgrund des Vorkommens seltener Libellenarten wie der Großen Moosjungfer wurde das Gebiet 2003 zusätzlich als FFH-Gebiet geschützt. Zwischen 2004 bis 2008 wurden die erstaunlich zahlreichen Libellenarten untersucht, die in der Eglinger Filz heimisch sind.

Die Wanderung (Komoot: Tourenvorschlag) beginnt an der Wallfahrtskirche St. Sebald, an der man eine Parkmöglichkeit findet. Wenn sie geöffnet ist, kann man einen Blick in die Kirche mit ihrem barocken Altar werfen. Von der benachbarten Sebaldmühle mit ihrem Weiher folgt man der Waldstraße entlang des Oberen Holzbachs nach Süden und kann sich dabei an unserer Quellenkarte (47.915467, 11.499417) orientieren. Nach gut zweieinhalb Kilometern zweigt der Weg nach links ab und folgt einer ehemaligen Torfbahntrasse bis zu einem ehemaligen Torbahnhof am Moosbach. Hier erkennt man einen Weg, der nach links ins Moor führt und bald zum schmalen Pfad wird. Dem folgt man in die Filz, so weit er – je nach Witterungsbedingungen – begehbar ist. Schon ein paar hundert Meter reichen aber aus, um sich ein gutes Bild von der wiedervernässten Filz zu machen. Da dieser Pfad in die Filz irgendwann aber endet, ist ein Rundweg nicht möglich.