Popperöder Quelle

 

 

Radtour zu den Quellen und Erdfällen von Mühlhausen Koordinaten

 

Thüringen ist wegen der Geologie seines Untergrunds aus wasserlöslichem Gestein wie kein anderes Bundesland von Erdfällen betroffen. Die Ursache liegt in einer Zeit vor mehr als 250 Millionen Jahren, als das Land vom Zechsteinmeer bedeckt war, das sich vom Baltikum bis nach England erstreckte. Sein Wasser verdampfte langsam in der Sonne und es blieben Salz-, Kalk und Gipsschichten zurück, die alle wasserlöslich sind. Schätzungen gehen allein für Thüringen von rund 8.000 Erdfällen aus und jährlich kommen viele Dutzend hinzu - in feuchten Jahren tendenziell mehr als in trockenen. Todesopfer durch Erdfälle sind selten, häufiger werden Gebäude unbewohnbar. Manche der Einbrüche haben sich im Lauf der Zeit mit Wasser gefüllt, wie der tiefste natürliche See Thüringens, die in prähistorischer Zeit entstandene, 45 Meter tiefe Bernshäuser Kutte im Wartburgkreis.

Einer der Erdfall-Hotspots liegt bei Bad Langensalza, das unter anderem die kleine und die großartige Große Golke (51.092483, 10.619683) Gesteinseinbrüchen verdankt. Im nördlich gelegenen Mühlhausen sind mindestens vier Quelltümpel und der (unzugängliche) Egelsee als Folge von Erdfällen entstanden: Als bekannteste und schönste die Popperöder Quelle (51.20075, 10.418133), die 1199 bei einem Erdbeben aufbrach, viereinhalb Kilometer südlich der zehn Meter tiefe Kainspring (51.15985, 10.404717) und der 23 Meter tiefe Melchiorbrunnen (51.161383, 10.407483). Beide liegen benachbart und sind vermutlich schon weit vor dem 14. Jahrhundert entstanden, als hier eine Dorfstelle „Kogen“ beurkundet ist. Wie der hohe Sulfatanteil ihrer Quellwässer vermuten lässt, handelt es sich um Einbrüche eines Systems aus Gipskalk. Die jüngste ist die Thomasquelle (51.194417, 10.42615), die 1901 über 50 Meter tief einbrach und sich binnen weniger Tage bis zum Rand mit Wasser füllte. Wie üblich bei Erdfällen hat sich ihre Tiefe durch eingeschwemmte Erde, Kalkschlamm und versinterndes organisches Material mittlerweile auf 40 Meter verringert.

Charakteristisch für Erdfälle ist ihre runde bis leicht ovale Form als Folge von Wirbelbildungen des unterirdisch fließenden Wassers. Alle Mühlhauser Erdfallquellen stehen mit Grundwasser in Kontakt. Die Popperöder Quelle, in deren wunderbarem Quelltümpel ununterbrochen Gasblasen aufsteigen, speist sich vermutlich aus dem tiefsten Reservoir. Die charakteristische leuchtende Färbung des Quellwassers resultiert aus ihrer starken Mineralisierung, die bei der Thomasquelle mit 80°dH am höchsten ist. Die mitunter milchige Trübung rührt von Mikroalgen her, sowie von Kalkpartikeln und Sedimenten, die durch mechanische Gesteinserosion entstehen. Die Quellschüttungen sind, wie bei Karstquellen üblich, stark witterungsabhängig. Der Kainspring kann es bis auf mehr als 100 l/s bringen, die durchschnittlichen Erträge der Quellen sind nach mehreren niederschlagsarmen Jahren aber stark zurückgegangen. Die Thomasquelle etwa hat mittlerweile manchmal schon im Juni keinen Ablauf mehr. Im Gegensatz dazu ist der Spittelbrunnen (51.180450, 10.385983), an dem die Tour ebenfalls vorbeiführt, ein echter Hungerbrunnen, eine Karstquelle, die von jeher nur zeitweise Wasser führt.

Die vorgeschlagenen Radtour (Komoot Tourenvorschlag) von durchwegs flachen 23 Kilometern Länge bietet auf der WASSERWIKI-Quellenkarte (51.20075, 10.418133) umfangreiche Informationen zu all den Quellen, an denen sie vorbeiführt. Sie bindet zudem das interessante Opfermoor in Niederdorla mit ein. Der Ort nimmt (als einer vor mehreren) für sich in Anspruch, auf der geografischen Mitte Deutschlands zu liegen. Die Datierung der Funde im Opfermoor ergab, dass der See von der Hallstattzeit bis lange nach der Christianisierung, vereinzelt noch im 11. und 12. Jahrhundert kultisch genutzt wurde. Ein Teil der Funde ist im Opfermoor-Museum (Opfermoor Vogtei: Kultausstellung) für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Im benachbarten Museumsdorf ist eine Siedlung aus dem dritten nachchristlichen Jahrhundert rekonstruiert, bestehend aus Langhaus (Wohnstallhaus), Grubenhäusern und einem Speicher am Westrand des Opfermoors.

Die Tour wäre nicht vollständig, würde sie nicht an einer der ehemals zwölf Mühlen vorbeiführen, die der Popperöder Bach angetrieben hat. Die ehemalige Mittelmühle (Zur Roten Löwenmühle 23a) wurde erstmals im Jahre 1631 erwähnt und 1679 umgebaut. Sie ist aus Tuffstein und Fachwerk errichtet und diente als Mal- und Lohmühle, in der Baumrinde (meist Eiche oder Fichte) zu „Lohe“ zerkleinert wurde, aus der Gerbsäure für die Lederherstellung gewonnen wurde. Vorbei am Schwanenteich führt die Tour zurück zur Popperöder Quelle mit ihrem historischen Brunnenhaus.