Wasserberggrotte
Karstwunder von Pegnitz 
Der Wasserlehrpfad Pegnitz führt zur Quelle der Pegnitz und zu einem der interessantesten Karstphänomene Deutschlands: dem Wasserberg. Er zeigt, welche Maßnahmen sich die Menschen vergangener Jahrhunderte einfallen ließen, um dem grundlegenden Problem von Karstgebieten zu begegnen, dass Niederschläge nämlich schnell in der Erde versickern und an der Oberfläche Wassermangel herrscht. Das Wassersystem, das dadurch in Pegnitz entstand, ist einzigartig.

aus: BayernAtlas
Die 426 Meter hoch gelegene Pegnitzquelle (49.7582, 11.537617) am Osthang des Schlossbergs ist Ursprung der 113 Kilometer langen Pegnitz, die ab Fürth zusammen mit dem Fluss Rednitz die Regnitz bildet. Früher war die Pegnitzquelle eine kräftige Karstquelle, die dauerhaft floss und die Zaussenmühle antrieb. Inzwischen hat ihre Schüttung stark nachgelassen und in trockenen Sommern versiegt sie auch vollständig. Eigentlich müsste die Pegnitz Fichtenohe heißen, denn die hat von ihrem Quellgebiet (49.85715, 11.52025) bis zur Vereinigung mit dem kurzen Quellbach der Pegnitz schon 15 Kilometer zurückgelegt. Am Pegnitzer Tennisplatz wurde sie geteilt, um mit einem Teil ihres Wassers einen künstlich angelegten Mühlbach zu speisen, der durch die Altstadt fließt. Der musste stark genug sein, um drei hintereinander gelegene Mühlen anzutreiben. Hierfür wurde am Abfluss ein Wehr gebaut und der Mühlbach neben der heutigen Schlossstraße mit einem Düker unter der Pegnitz durchgeleitet.

Der Düker arbeitet nach dem Prinzip der kommunizierenden Röhren, was bedeutet, dass der Wasserstand an beiden Seiten der Rohre gleich hoch ist. Allerdings hat der Zahn der Zeit dem System zugesetzt, das Wehr wurde aus unbekannten Gründen entfernt und der Düker undicht, weshalb dem Mühlbach das Wasser fehlte. Nach den ehemaligen Mühlen verliert die Fichtenohe bzw. der Mühlbach sein Wasser bei der Röschenmühle (Sägewerk Asmus) nämlich in einer Ponorhöhle (49.750700, 11.547417), von der aus es unterirdisch durch den Wasserberg fließt, bis es südlich an der Wasserberggrotte (49.748833, 11.550967) und einigen sporadischen Quellen (49.748750, 11.551317) wieder an die Oberfläche kommt und 50 Meter weiter in die Pegnitz fließt.
Während die oberirdische Pegnitz für die 1,7 Kilometer lange Schleife, mit der sie ab der Röschmühle um den Wasserberg herum fließt, nur 15 Minuten benötigt, nimmt sich der nur rund 320 Meter lange „unterirdische“ Mühlbach im Wasserberg bei gleichem Gefälle 120 Minuten Zeit. Der Vergleich der Fließdauer in der kanalartigen Flussschleife und der Höhle sollte Hochwasserschützer zum Nachdenken anregen ...

Das „Karstwunder“ faszinierte die Menschen schon im 18. Jahrhundert. Der Markgraf höchstpersönlich schickte Enten in den Wasserberg, die nie wieder zum Vorschein kamen, Erbsen hingegen tauchten am anderen Ende wieder auf. Später wurden zahlreiche Färbeversuche durchgeführt. Der Höhleneingang, in dem früher zwei unterirdische Mühlräder betrieben wurden, ist mit einem begehbaren Kanal und künstlichen Zugang ausgebaut, der – ebenso wie die Höhle selbst – verschlammt, wenn im Mühlbach nicht genug Wasser fließt. So haben 2017 Ehrenamtliche in halbjähriger "Drecksarbeit" den Wasserberg von über 90 Kubikmeter Schlamm befreit und ihn so wieder durchgängig gemacht. Die Gänge und Klüfte in der Höhle selbst sind so eng und gewunden, dass sie bis heute nicht erforscht sind.

Einstiegsschacht in den unterirdischen Kanal
Der 6,8 Kilometer lange Spaziergang (Komoot Tourenvorschlag) beginnt an der Pegnitzquelle, führt von dort zu einigen Info-Tafeln eines wasserwirtschaftlichen Lehrpfads entlang der Pegnitz und zum Düker. Danach bringt er einen zur Versickerung des Mühlbachs, nah dabei zum Schacht in den Wasserberg und anschließend zur Wasserberggrotte. Von dort geht es auf wenig befahrenen Straßen zur Quelle des Brunnbachs und entlang der Pegnitz wieder nach Norden. Der letzte Abschnitt im Stadtpark Wiesweiher führt an einer Kneipp-Anlage vorbei und an weiteren Tafeln, die zu unterschiedlichsten Aspekten des Wassers informieren. Wer sich auf dem Spaziergang von unserer Quellenkarte begleiten lässt, findet alle Quellen und die Schwinde verortet und mit zusätzlichen Infos versehen.