
Goule de Sauvas
Trockenbett der Claysse
Karstwanderung in der Carrigue bei Chadouillet
Bei Saint-Andre-de-Cruzieres im südlichen Departement Ardèche liegt am Rande der Cevennen ein bedeutendes Karstgebiet. Es erstreckt sich im oberen Jura-Kalkstein und wird von der Claysse entwässert. Die Landschaft zeigt viele charakteristische Karstformen, wie wasserführende Höhlensysteme, Trockentäler, Karrenfelder, Dolinen, Flussversickerungen und -wiederaufstiege. Zu dem System gehört die Grotte de la Cocaliere (Efeuhöhle), eine vielbesuchte Schauhöhle mit prähistorischen Fundstätten. Sie ist angebunden an ein System von aktiven Wasserhöhlen mit darüber gelegenen Trockengängen. Mit rund 15 Kilometer Länge, von denen etwa 10% öffentlich zugänglich sind, bleibt das unterirdische System zwar weit hinter anderen in Frankreich zurück, etwa dem Reseau Felix Trombe mit mindestens 105 Kilometer Länge, es gilt aber als sehr komplex. Mit dem Event de Peyrejal (44.321933, 4.183050) wurde sogar ein künstlicher Eingang für die Erforschung des Höhlensystems geschaffen.
Heute ist die Oberfläche in vielen Karstgebieten Frankreichs geprägt von der trockenen und kargen „Garrigue“, die einst von den „Garrigue-Bauern“ bewirtschaftet wurde. Dolmen aus dem dritten vorchristlichen Jahrtausend und ein großes Feld mit Grabhügeln südwestlich von Chadouillet zeigen, dass die Gegend schon in prähistorischer Zeit besiedelt war. Die Menschen lebten in befestigten Höhlen (Camisarden) und Trockensteinhütten (Capitelles), später wurden Felder mit jenen niedrigen Steinmauern (Clapas) umgeben, von denen viele noch erhalten sind und zum besonderen Reiz der Landschaft beitragen.
Einst war der Karst von Wäldern bestanden, die Niederschläge speicherten. Im Lauf der Jahrtausende wurde zunehmend abgeholzt, seit dem Mittelalter die Bäume in Glashütten und Kalkbrennöfen verfeuert, es wurde für Wein- und Olivenfelder gerodet. Heute gibt es nur noch sehr spärliche und verkrüppelte Reste der ursprünglichen Wälder - die Landschaft erscheint „wüst“. Selbst Weidegründe für Schafe und Ziegen können hier schon lange nicht mehr wirtschaftlich betrieben werden und spätestens die industrielle Revolution führte zur Landflucht, die auch diese Gegend grundlegend veränderte. Wegen der spärlichen Böden dauert es lange, bis sich die Natur das Gebiet zurückholt.

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Wir halten die hier vorgestellte, teils weglose Wanderung mit nur rund zweieinhalb Kilometern bewusst kurz, um sich ganz auf die Details dieser zwar kargen, aber faszinierende Landschaft einlassen zu können, sie gleichsam zu „erobern“. Den Goule de Sauvas (44.322650 4.161967) mit seinem imposanten Eingangsprotal, in dem die Claysse – so sie es denn überhaupt bis hierher schafft – verschwindet, kann man sich schon auf der Hinfahrt direkt neben der D901 ansehen. Auch eine Führung in der Grotte de la Cocaliere gibt einen guten Eindruck von dem, was sich hier unter der Oberfläche abspielt.
Die Wanderung selbst beginnt an einem kleinen Parkplatz (44.31735, 4.191277) neben dem Chemin de la Chanisse westlich des charmanten Ortes Chadouillet. Von dort geht es gleich in das trockene und wenig eingetiefte Flussbett mit seinen sporadischen Karstquellen (Resurgences = Wiederaufleben), die aus Höhlen entspringen. Als erstes liegt rechts nach gut 300 Metern die Peyraou de Chadouillet (44.32025, 4.190367), es folgt ebenfalls rechter Hand die Resurgence de Peyrejal (44.320783, 4.186817), bis das Trockental schließlich vor der Resurgence de la Cotepatière (44.320033, 4.1839) endet, wo die Claysse nach sehr starken Niederschlägen wieder zutage tritt. Die Aven de la Courcalhère 44.319015, 4.181725, eine tiefe Einbruchsdoline mit Durchgang in das unterirdische Labyrinth, bekommt man auf dem Rückweg zumindest vom Rand aus zu sehen. Möchte man hinab zum Höhleneingang, muss man sich abseilen.
Die Wanderung ist flach und im Prinzip einfach, man sollte aber festes Schuhwerk tragen. Zur Orientierung hilft es, unsere WASSERWIKI-Karte zu nutzen, wo Quellen und Doline eingetragen sind. Um die Höhlen selbst zu erkunden, ist ausdrücklich einschlägige Erfahrung notwendig. Zudem sollte man sich im Vorfeld Infos über die jeweiligen Gegebenheiten einholen.
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