Salzwiese Sainte Marguerite

 

 

  Mineralquellen von Sainte Margueruite Koordinaten

 

Ende des 19. Jahrhunderts gab es an der Flussschleife des Allier zwischen Saint-Maurice und Les Martres-de-Veyre auf einer Länge von zwei Kilometern etwa 30 Thermal- und Mineralquellen. Eine ganze Reihe von ihnen findet man noch heute, andere liegen mittlerweile im Bett des Allier, da der Fluss seinen Lauf seit damals etwas geändert hat.

Die Quellen des ehemaligen Thermalbads Sainte-Marguerite, die schon von den Römern - und vermutlich schon vor deren Zeit - genutzt wurden, bilden zusammen mit den verfallenden Kur- und Technikgebäuden ein einzigartiges und spannendes Ensemble. Lost Place und Quelldorado in einem. Seinen Namen verdankt das Bad einer kleinen Kapelle an einem Fußweg oberhalb des Geländes, die der Heiligen Marguerite geweiht wurde. Der Legende nach soll im 14. Jahrhundert die Pest im Ort Saint-Maurice keine Opfer gefordert haben, was die Bewohner ihren heilsamen Quellen und dem Wirken der Heiligen Margarete zuschrieben, die sie um Hilfe angefleht hatten. Margareta von Antiochia war Tochter eines heidnischen Priesters und wurde von einer christlichen Amme erzogen. Sie starb um das Jahr 305 den Märtyrertod, als sie vom eigenen Vater wegen ihres christlichen Glaubens denunziert wurde.

Die Thermalquellen von Sainte-Marguerite haben einen hohen Kohlendioxidgehalt und sind reich an Mineralien (Kalzium, Natrium, Magnesium, Chloride, Bikarbonate usw.). Vor vielen anderen Mineralwässern zeichnen sie sich durch ihren relativ hohen Salzgehalt aus. Eingesetzt wurden sie unter anderem bei Nierenbeschwerden, Leber- und Magenerkrankungen und Fettleibigkeit. 1840 wurde ein kleines Kurhotel mit 30 Zimmern errichtet, in dem man Trink- und Badeanwendungen anbot. Das Hotel und der kleine Kurpark mitsamt allen anderen Gebäuden wurden durch eine Überschwemmung des Allier im Jahr 1866 so stark in Mitleidenschaft gezogen, dass alles neu aufgebaut werden musste. Obwohl mittlerweile wieder gut besucht, musste das Bad 1889 aber versteigert werden. Der Niedergang kündigte sich dann aber an, lange bevor die wachsende Konkurrenz und Konzentration von Heilbädern seit den 1970er-Jahren immer mehr Kurbetriebe in ganz Europa in die Insolvenz trieb.

Im Unterschied zu anderen aufgegebenen Kurorten sind die heute noch fünf Quellaustritte auf dem etwa 7.000 Quadratmeter großen Areal des ehemaligen Heilbads gut zu erkennen. Sie liefern hochmineralisiertes Thermalwasser in unterschiedlicher Temperatur und mineralischer Zusammensetzung. Auch sonst ist ihr Charakter verschieden. Manche sprudeln noch kräftig, fließen aus den alten Brunnenhäusern und Technikzentralen aufs freie Gelände und haben mit ihrem Wasser mittlerweile zu einer großflächigen Versinterung des Geländes geführt. Auf den neu entstandenen Salzwiesen hat sich eine besondere Flora breitgemacht, die auch für Botaniker von Interesse ist (klassifiziert als Natura 2000). Der Uferweg ist durch das zum Fluss abfließende Wasser oft matschig. Es ist zwar geplant, den Schutz der Flächen durch ein Wegenetz auf dem Gelände zu verbessern. Da es derzeit aber noch fehlt, sollte jeder Schritt achtsam gesetzt werden, um die seltenen Pflanzen auf den Salzwiesen und den Sinter nicht zu zerstören.

Der Geyser de la source Brissac Ste Marguerite, auch Source merveilleuse genannt, ist die bekannteste der Quellen und unseres Wissens der einzige gebohrte Brunnen auf dem Gelände. Auch er hat allerdings eine Bohrtiefe von nur sechs Metern. Die Quelle war 1871 entdeckt worden, die Bohrung stammt aus den 1920er-Jahren. Zu Beginn hatte der Geysir eine Durchflussrate von 250 l/min und er schleuderte sein Wasser dank einer starken Freisetzung von Kohlensäure alle sechs Minuten bis zu sieben Meter hoch. Wie auch das der nahegelegenen Tennisquelle hat sein Wasser eine Temperatur von 31°C. Die Source Brissac diente zur Versorgung der 16 Bäder der Thermalanstalt. Nach und nach verringerte sich der Durchfluss der meisten Quellen aber, sodass auch der Geysir heute nur noch alle 20 Minuten für etwa vier Minuten tätig wird und seine Fontäne maximal zwei Meter Höhe erreicht.

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Anordnung der Quellen auf dem Gelände des ehemaligen Thermalbads Sainte-Marguerite,
unten rechts im Bild die heutige Tafelwasserfirma

Auch die 1894 errichtete Abfüllanlage auf dem Gelände wurde nach dem Kauf des Geländes durch eine Tochtergesellschaft von Intermarché im Jahr 1995 aufgegeben. Die Societé des Eaux de Sainte-Marguerite ersetzte sie durch eine 250 Meter südlich gelegene Fabrikationsstätte, die ihr Wasser über eine Leitung vom Brunnenhaus der umzäunten Source de la Chapelle (Kapellenquelle) bezieht. Hier werden jedes Jahr 17 Millionen Liter sprudelndes Tafelwasser und Limonaden hergestellt – im Jahr 1932 waren es noch 295.000 Flaschen jährlich! Es ist also anzunehmen, dass inzwischen auch die Source de la Chapelle eine Bohrung erhalten hat.

Sainte Marguerite Abb2

Das Gelände ist von der Rue de la Chapelle aus frei zugänglich. Die Position der einzelnen Quellen findet man auf unserer Quellenkarte.