Heumahd bei Jezerscica

 

  Der Cerknisko Jezero Koordinaten

 

 

Der periodische Cerknisko Jezero (deutsch: Zirknitzer See) ist der größte See Sloweniens und Teil des Regionalparks Notranjska mit seinen insgesamt 297 bekannten Höhlen und neun Natura-2000-Gebieten. Kaum wo sonst kann man sich von der Wasserführung in Karstlandschaften ein so umfangreiches und eindrucksvolles Bild machen wie an diesem Sickersee mit seinen zahllosen Quellen, Schlundhöhlen, Ponoren, seiner vielfältigen Tier- und Pflanzenwelt.

Aus geohydrologischer Sicht ist der See zusammen mit der ihn umgebenden Landschaft eines der interessantesten Gebiete in Europa. Er liegt auf etwa 550 Metern Höhe in einem ausgedehnten Polje und ist rundum von Hügeln und Bergen umgeben, die ihn um bis zu 600 Meter überragen. Unter dem gesamten Regionalpark hat das Wasser in das Kalk- und Dolomitgestein des Untergrunds mächtige, überwiegend horizontal verlaufende Höhlensysteme gegraben. Einen oberirdischen Abfluss besitzt der See nicht, weshalb die Menge des abfließenden Wassers durch die Summe der Kapazität seiner Ponore und Schlundlöcher begrenzt ist, durch die er unterirdisch abfließt. 

Wenn der Zufluss größer ist als der mögliche Abfluss, so steigt das Wasser an, und der See breitet sich in dem flachen Becken aus. So kann seine Fläche, die bei normalem Wasserstand etwa 20 Quadratkilometer beträgt, bei Hochwasser auch bis zu 30 Quadratkilometer anwachsen, sich bei Niedrigwasser aber auch auf 0,1 Quadratkilometer zurückziehen. Entsprechend variiert auch die Tiefe des Sees zwischen kaum fünf bis über zehn Meter. Entsprechend stellt er sich sehr unterschiedlich dar. Im Winter kann er zudem eine Eisdecke tragen, die bei abnehmendem Wasserstand entsprechend stark einbricht. 

Im Volksglauben rankten sich seit jeher zahlreiche Erzählungen und Mythen um diesen periodischen See. Bereits früh hat er auch die wissenschaftliche Neugier erregt. Schon der altgriechischer Geograf und Historiker Strabo kannte den Cerknisko Jezero und er würdigte ihn mit der Bemerkung, dass er ihn "sehr merkwürdig" fände. 

Johann Weichard von Valvasor, ein Adliger aus dem damals habsburgischen Herzogtum Krain, versuchte sich um 1689 mit ersten wissenschaftlichen Erklärungen des Phänomens: "Denn dieser See bedunckt mich der Mühe wol werth zu seyn, dass ich  Seynethalben so vielemalige Mühe übernommen: In Betrachtung derselbe meines Erachtens eines der grössten Natur-Wunder ist. Und ich glaube, daß man einen dergleichen wunderbarlichen See weder in Europa noch in der übrigen dreyen Welt-Theilen antreffe, der alle solche rare Eigenschaften an sich hette wie dieser." Eine wissenschaftlich Abhandlung über den See brachte ihm die Ehrenmitgliedschaft der Royal Society in London und dem Cerknisko Jezero Weltruhm ein. Viele seiner Informationen hatte Valvasor von ortsansässigen Bauern eingeholt, die seit je mit den Eigenarten und Gesetzmäßigkeiten des Sees lebten und sie entsprechend gut kannten. Auch Immanuel Kant beschäftigte sich 1756 in seiner Schrift 'Geschichte und Naturbeschreibung des Erdbebens, welches an dem Ende des 1755sten Jahres einen großen Theil der Erde erschüttert hat' mit dem See. In diese Zeit fallen auch die ersten systematischen Versuche, den See zu beeinflussen.

Die frühen wissenschaftlichen Erklärungsversuche des Phänomens sind - ähnlich wie bei der frühen Erforschung der Höhle von Postojna - von rein mechanischen Erklärungsmustern wie Siphon, Hebewirkung und kommunizierenden Röhren geprägt und spiegeln in interessanter Weise das damalige Weltbild wider. Man muss sich dabei vor Augen führen, dass noch kaum etwas über das "unterirdische Leben" des Wassers, Höhlen und korrosionschemische Prozesse an Gesteinen bekannt war. 

Hat man ein paar Tage Zeit und passendes Wetter, so sollte man das Bild vervollständigen, indem man auch die angrenzenden und geohydrologisch mit dem Cerknisko Jezero zusammenhängenden Gebiete besucht: das südlich gelegene geohydrologische System des Flusses Obrh mit den Quellen Veliki Obrh, Bajerje, der Quelle bei Grad Sneznik und seinem Ponor Golobina, aus dem der Cerknisko Jezero sein Wasser überwiegend bezieht. Fast eine Pflichtübung für jeden Besucher Sloweniens ist das wenige Kilometer nordwestlich gelegene, grandiose Gebiet von Rakov Skocjan mit seinen Felsbögen, Felseinstürzen und gewaltigen Höhlen, in welches das Wasser des Cerknisko Jezero teilweise abfließt. Nur wenige Kilometer südöstlich des Sees befindet sich zudem die grandiose Höhle Krizna Jama, die für ihre zahlreichen unterirdischen Seen bekannt ist, deren Wasser ebenfalls im Cerknisko Jezero wieder zutage tritt. Auf den unterirdischen Seen werden Bootstouren angeboten. 

 

Zu- und Abläufe des Cerknisko Jezero  

Will man dem Wasser des versickerten Cerknisko Jezero noch über Rakov Skodjan hinaus folgen, so findet man es wieder in der Riesenhöhle von Planina, wo es als Fluss Unica wieder an die Oberfläche tritt, nachdem sich zuvor der Fluss Rak in der Nähe von Postojna unterirdisch mit dem Fluss Pivka verbunden hat. Doch auch der Lauf der Unica ist nur von kurzer Dauer. Ihr Sickerwasser taucht in den Quellen der Stadt Vrhnika wieder auf, wo sie dann den Fluss Ljubljanica bilden. Die wird auch als der "Fluss mit den sieben Namen" bezeichnet und fließt erst ab Vrhnika endgültig oberirdisch weiter, bis sie dann bei Ljubljana in die Save mündet.

Die üblichen Kartenwerke sind vom Facettenreichtum des Sees, der Vielzahl seiner geohydrologischen Merkmale, der teilweise unklaren Namensgebung klar überfordert: einmal ist der Cerknisko Jezero als vages Sumpfland dargestellt mit den Flussläufen, die ihn durchziehen, ein anderes Mal erscheint er als Seeoberfläche und die Flussläufe fehlen. Straßen und Wanderwege am und im See sind teils durchgehend eingetragen, teils sehr vage, gestrichelt oder auch gar nicht. Anderswo verlaufen Wege und Straßen inmitten des Sees. Die Höhlen und Ponore am Nordwestufer des Sees sind zumeist gar nicht eingetragen, ebenso wie die Schwinden im See selbst nicht zu erkennen sind. Die südlichen Quellen tragen in vielen Karten gar keine Namen, in anderen werden sie zwar benannt, aber unterschiedlich. Eine vergleichsweise gute Übersicht bietet die slowenische Karte, die man unter "geopedia.si" im Netz findet.

Besonders eindrucksvoll wird das Erlebnis Cerknisko Jezero, wenn man ihn bei unterschiedlichen Wasserständen kennenlernt. Wo einmal weitflächige Wasserflächen liegen, finden sich das nächste Mal herrlich blühende Wiesen, auf denen man querfeldein viele kleinere aber auch riesige Ponore findet, die tief ins Erdreich klaffen. Bei niedrigem Wasserstand ist es häufig auch möglich, auf einem Wanderweg am Fuß der Hügel den Nordwesten des Sees mit seinen Quell- und Ponorhöhlen zu erkunden. Dabei ist es sinnvoll, eine Taschenlampe und nach Möglichkeit auch Gummistiefel im Gepäck zu haben, denn auch bei niedrigem Wasserstand kann der Boden stellenweise morastig sein.

Den ersten Eindruck des Cerknisko Jezero macht man sich am besten auf einer etwa zehn Kilometer langen Schotterstraße quer durch das Seengebiet, die vom Parkplatz Dolenje Jezero (45.773014, 14.357479) aus, der sich auch für Wohnmobile bestens eignet, über Otok nach Gorenje Jezero führt. Die Straße ist etwas erhöht, weshalb sie auch bei Hochwasser durchgehend befahrbar ist. So eignet sie sich mit ihren geringen Steigungen auch gut für eine Fahrradtour. Möchte man in dem außerordentlich spannenden Gelände abseits der Fahrwege auf Erkundungstour gehen, so sollte man das nur mit ausreichend Orientierungssinn, festem Schuhwerk und geschlossener Kleidung. Abzweige sind oft schwer zu erkennen, viele Pfade im teils steilen Gelände stark verwildert. Oft trifft man auch auf sumpfiges Gelände oder einen Wasserlauf als Hindernis.

So ist der Cerknisko Jezero gleichermaßen etwas für Genussurlauber wie Entdecker. Wer aufmerksam hinsieht, wird beispielsweise nördlich der Insel Coricica und an anderen Stellen im See Versuche erkennen, den See bzw. den Fluss Strzen mit Hilfe von Dämmen und anderen wasserbaulichen Maßnahmen daran zu hindern, in Ponoren zu verschwinden. Solche Versuche gibt es seit jeher, die Erfolge sind aber mäßig: das Wasser findet immer seinen Weg, sei die Ritze auch noch so klein. 

Besonders gut lässt sich der See mit einem Boot erkunden, wo man bei deutlich ansteigenden und sinkenden Grundwasserständen häufig sogar ausgeprägte und teils schnell drehende Wirbel erkennt, die sich an den Klüften zwischen Oberwelt und Unterwelt ausbilden. Wo man Boote gerade zu mieten bekommt, lässt sich entweder beim Kiosk am Parkplatz erfragen oder bei der Tourismusinformation TIC in Cerknica (45.795985, 14.362507).