
Viterbo Piscine Carletti
Thermen von Viterbo
Viterbo, das vielen Besuchern in erster Linie durch seine antiken Ursprünge und seine mittelalterliche Altstadt bekannt ist, bietet eine selbst für italienische Verhältnisse einzigartige Dichte an natürlichen warmen Quellen und thermaler Infrastuktur. Ihre Wässer sind überwiegend bikarbonathaltig-sulfathaltig-alkalisch-erdig-schwefelhaltig. Eine Ausnahme bildet die wildromantisch gelegene Sorgente dell'Acquarossa (42.480010, 12.120092) mit alter Mühlenruine und stark eisenhaltigem Wasser, die sich ein Stück nördlich von Viterbo versteckt. Und nochmals zweieinhalb Kilometer weiter liegt die völlig unbekannte, großflächige und wunderschöne Solfatara di Retento (42.50325, 12.13695), bei der Quellen mit schwefeligem und eisenhaltigem Wasser in direkter Nachbarschaft austreten.
Von Norden nach Süden reihen sich etwa aneinander
Sorgente dell'Acquarossa (42.480010, 12.120092), eisenhaltige Quelle, wildromanisch mit Wasserfall
Die Ruine eines römischen Thermalbads (42.468243, 12.064634), heute keine Quelle mehr
Terme di Viterbo - Therma Oasi (42.463746, 12.073211), kommerziell
Laghetto del Bagnaccio (42.460469, 12.070827), Heilschlammgewinnung, kein Badebetrieb
Offenen Thermen Il Bagnaccio (42.459016, 12.065434), kommerziell
Bulicame (42.420457, 12.072722), frei zugänglich
Parco Delle Piscine Carletti (42.421790, 12.064780), frei zugänglich
Terme dei Papi (42.413798, 12.064885), kommerziell
Terme dell'Asinello (42.398548, 12.059324), frei zugänglich, kaum besuchter Geheimtip
Masse di San Sisto (42.372411, 12.057772), nicht mehr im Betrieb und umzäunt
Die Thermal- und Mineralquellen entlang dieser 16 Kilometer langen Linie, die sich nach Norden weiter verlängern ließe, wurden bereits in etruskischer Zeit genutzt. Die Ursache für diese Häufung liegt vermutlich im Untergrund, wo hoch gelegenes Magma auf eine Verwerfung trifft. Später bezeichnete man die Thermen in Viterbo als "Thermen der Päpste" – der Vatikan liegt gerade einmal 70 Kilometer Luftlinie südlich. Die historische Terme dei Papi, deren Wasser den Gesteinsschichten direkt unter der Anlage entspringt, galt bis in jüngere Zeit als besonders vornehm.
Satellitenbild Bulicame
Die bekannteste Quelle ist die mit 58°C hyperthermale "Bulicame", die sprudelnd aus der Erde dringt und für therapeutischen Behandlungen und zur Speisung eines benachbarten Schwimmbeckens von über 2.000 Quadratmetern genutzt wird. Wegen ihrer hohen Temperaturen ist sie mit Sichtscheiben umgeben. Das noch beeindruckendere Naturschauspiel bieten die 700 Meter westlich gelegenen Piscine Carletti mit kleinen, farbigen Sinterbecken und einer rund 100 Meter langen und über zwei Meter hohen steinernen Rinne, die sich durch Ausfällen der Mineralstoffe im Wasser über die Jahrtausende gebildet hat. Schon außerhalb der Stadt liegt in einem Thermalsumpf der vulkanische See Bagnaccio, der früher in den prächtigsten antiken Thermen, den Aquae Passeris, genutzt wurde. Seine Besonderheit ist der seltene, natürlich entstandene Quell- und Lavaschlamm, der heute noch therapeutisch genutzt wird.
Neben diesen auf natürliche Weise an die Oberfläche tretenden Thermalquellen, die in offenen Becken genutzt werden können, gibt es zahlreiche Hotels, Spas und andere Nutzer, die das Thermalwasser aus der Erde hochpumpen. Da es sich bei dem Thermalwasser nicht zuletzt um einen erheblichen Wirtschaftsfaktor handelt und die Großen mit ihrem Pumpen den Kleinen buchstäblich das Wasser abgraben, bleibt Streit nicht aus. Da wird in öffentlichen Briefen bemängelt, dass das "Gold von Viterbo" von einigen in unzulässig hoher Menge hochgepumpt wird, wodruch den natürlichen Quellen das Wasser zunehmend abhanden komme, dass es ungenutzt in die Kanalisation geleitet wird und diese durch die Bildung von Kalkstein verstopft, dass Baugenehmigungen und Konzessionen zur Wassernutzung fehlten, Umweltstandards nicht eingehalten würden, ja schließlich der eine den anderen mit Hilfe des Wassers willentlich um seine Existenz bringe. Von all diesem Gerangel bekommt man in den Hochglanzbroschüren der Hotels und Spas allerdings nichts mit.
Wer die Thermen Viterbos mit dem Rad kennenlernen möchte, dem schlagen wir eine 25 Kilometer lange Radtour (https://www.komoot.com/de-de/plan/tour/d08AofiPwC4GNs=FxjcBIEGul6pFbl_F-L2pkCJH_QSCxsBQy6_n9a6iPya6M92x_JF6Jzr91JggHIDQYQ0BDw1ICDg5yERUn57CE0w5yB44IJrsA==/@42.4086344,12.0877854,14.182z?waypoint=hl:6589393) mit geringen Höheunterschieden vor, die neben den Thermalquellen auch den Papstpalast einbezieht, einen Abstecher in die Altstadt macht und auf der wunderbaren Tagliata di Santo Antonio entlangführt, einem historischen, in Felsen gehauenen Weg. Die Tour beginnt an den nördlichen Therme Il Bagnaccio (42.459016, 12.065434), die auf zwar holprigem Weg anfahrbar ist, wo man Fahrzeuge aber gut abstellen kann. Wer sich auf der Tour von unserer Quellenkarte begleiten lässt, findet auch sicher den richtigen Platz, um unterwegs ein wohltuendes Bad zu nehmen.