Tuhala Geopfad

 

 

 Geolehrpfad (Matkarada) Tuhala Koordinaten

 

 

Die "Hexenquelle" von Tuhala (59.200757, 24.964668) ist wohl eine der bekanntesten in Estland, auch wenn sie zwischendrin an Popularität eingebüßt hatte: Sie bequemte sich immer seltener zu sprudeln, der Deckel ihres Brunnens blieb geschlossen. Im Jahr 2016 hatte man ihr gar das endgültige "Aus" prophezeit, nachdem sie einige Jahre inaktiv war.

Doch dann ging sie erneut ans Werk - und wie! Im Jahr 2017, im März 2019, im Januar und März 2020 begann das Wasser des 2,5 Meter tiefen Brunnens wieder zu kochen und das gesamte Gebiet zu überfluten. Was nach alten Erzählungen auf die Hexen von Tuhala zurückzuführen ist, die sich in ihrer unterirdischen Sauna versammeln und so heftig mit Birkenreisern peitschen, dass das Wasser im Kessel überkocht.

Tatsächlich liegt der Brunnen direkt über einem unterirdischen Fluss, dessen Wasserdruck nach starken Regenfällen so ansteigt, dass es tagelang aus dem Brunnen schießt. Manchmal sollen mehr als 100 l/s aus dem Brunnenschacht abfließen und dabei eine beachtliche Fontäne bilden. Dann kommen Besucher aus ganz Estland, um das Schauspiel zu sehen.

Aber auch wenn die Hexen nicht kochen, hat Tuhala mit seinem Karst-Geopfad sehr Interessantes zu bieten: Periodische Quellen und permanente (59.200827, 24.968989), deren Wasser dunkel von den Huminstoffen des teilweise anmoorigen Bodens ausströmt, Schlucklöcher und Dolinen (59.194409, 24.958288), tief eingeschnittene trockene Wasserläufe, an deren hohen Ufern Boote auf ihren nächsten Einsatz warten.

Mit etwas Glück kann man an kreisenden Schaumkronen auf einem der Bäche erkennen, wo sein Wasser mit langsam kreisendem Wirbel in den Untergrund verschwindet. Storchsichtungen gehören bei der Wanderung zum Standard. Eine ruhige und idyllische, hydrogeologisch jedoch höchst spannende Landschaft.

Die Wege sind gut gangbar, allerdings kaum ausgeschildert. Verlaufen kann man sich in der halboffenen Landschaft kaum und es ist durchaus interessant, sich auch abseits des offiziellen Weges ein wenig umzusehen. So kann man zum Beispiel die offiziell etwa 2,5 Kilometer lange Wanderung erweitern, indem man am trockenen und teilweise von Bäumen umstandenen Bett Kuiv Joeorg noch Norden weiterläuft, bis die Kalda allikad das Bett wieder mit Wasser anfüllt (59.206876, 24.954532).

Eine Infotafel zum Geolehrpfad gibt es am Parkplatz des Hexenbrunnen (59.199750, 24.964014) an der Regionalstraße 203, wo man die Wanderung beginnen kann. Es ist sinnvoll, sich die Karte als Orientierungshilfe abzufotografieren, denn einen ausreichenden Netzzugang gab es zumindest im Jahr 2019 auch in Estland noch nicht überall.

 

 

 

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