Donau-Auen bei Ort

 

 

 Nationalpark Donau-Auen Koordinaten

 

 

Der Nationalpark Donau-Auen ist ein 9.600 ha großer Nationalpark, der sich von Wien bis zur Mündung der March in Niederösterreich an der Staatsgrenze zur Slowakei erstreckt. Er ist eine der größten weitgehend intakten Aulandschaften Mitteleuropas entlang der Donau. In den Schutzgebieter befinden sich mehr als 700 Arten höherer Pflanzen, mehr als 30 Säugetier- und 100 Brutvogelarten, 8 Reptilien- und 13 Amphibienarten sowie an die 50 Fischarten. Zu den charakteristischen Bewohnern der Auenlandschaft des Nationalparks zählen hier Donau-Kammmolche, die Europäische Sumpfschildkröte, Hundsfische, Seeadler, Eisvögel und Biber. Mit der reichen Fauna land- und wasserlebender Insekten und anderer Wirbelloser wird der Gesamtbestand an Tierarten im Nationalpark Donau-Auen auf mindestens 5.000 geschätzt.

Die Geschichte des Nationalparks ist eine des Erfolgs früherer Naturschützer. Im Jahr 1984 drohte mit dem geplanten Bau des Laufwasserkraftwerkes Hainburg die Zerstörung des neben der Wachau letzten frei fließenden Donauabschnitts mit seinen Auwäldern. Aufrufe von Natur- und Umweltschutzvereinigungen bewirkten landesweite Proteste. Als die Betreiber des Kraftwerksprojektes nicht einlenkten und mit der Rodung begannen, kam es zur Besetzung der Hainburger Au durch tausende Menschen aus allen Alters- und Berufsgruppen („Hainburg-Bewegung“). Nach mehreren erfolglosen Räumversuchen durch Polizeieinheiten im Dezember 1984 wurde von der Bundesregierung eine Nachdenkpause verordnet, Anfang Januar 1985 verbot das Höchstgericht weitere Rodungen. Im März 1985 forderten 353.906 Personen in Form des sogenannten Konrad-Lorenz-Volksbegehrens das Verbot von Großkraftwerken wie Hainburg und die Errichtung eines Nationalparks im Gebiet von Hainburg. Am 1. Juli 1986 hob der Verwaltungsgerichtshof den Wasserrechtsbescheid auf. Im Oktober 2016 erfolgte zum 20-jährigen Jubiläum der Gründung des Nationalparks eine Flächenerweiterung.

Durch die Hochwasserschutzbauten, die um 1900 errichtet wurden, wurde der Donaustrom von den Seitenarmen abgetrennt. Die Folge war eine höhere Strömungsgeschwindigkeit und zunehmende Eintiefung des Flussbettes im Hauptstrom, während in den nicht mehr durchströmten Nebenarmen Sand- und Lehmablagerungen nicht mehr ausreichend abgebaut werden konnten. Denn in naturbelassenen Ökosystemen wird durch Gehölze und durch Totholz die natürliche Fließgewässerdynamik maßgeblich mitgeprägt; so durch Uferfestlegung, Erosionsminderung, Schwemmgut und Akkumulation, durch Schaffung von Bereichen unterschiedlicher Strömungsgeschwindigkeit oder von Verlandungszonen. An Stämmen und kleinerem Treibgut staut sich das Wasser und senkt die Fließgeschwindigkeit, was zur Ablagerung von Sedimenten führt.

Um die Fließgewässerdynamik und damit die Ökosysteme in den früher überwiegend getrennten Altgewässern zu verbessern, wurden seit 2002 durch sogenannte Gewässervernetzungen, also Absenkung oder Durchbrechungen des Donauschutzdammes zunächst einzelne Seitenarme wieder an den Hauptstrom angebunden, sodass sie zumindest bei höherem Wasserstand durchströmt werden. In einem 2006 abgeschlossenen Projekt wurde gegenüber von Hainburg auf 3 km Länge der gesamte Uferverbau entfernt, sodass der Strom nun wieder die Möglichkeit hat sich auszubreiten. In einem ähnlichen Projekt wurde auch bei Witzelsdorf auf 1 km Länge der Uferverbau abgetragen. Nach Durchführung der Pilotprojekte Hainburg und Witzelsdorf sollen zukünftig 50 % des Donauufers zwischen Wien und der östlichen Staatsgrenze im Rahmen des flussbaulichen Gesamtprojektes rückgebaut werden. Außer einer Belebung der Au verspricht man sich davon eine Milderung der Auswirkungen von Hochwasser und eine Stabilisierung der Sohle des Flussbettes im Interesse der Ökologie wie auch der Schifffahrt.

Der Nationalpark steht auf zahlreichen Wegen Besuchern offen. Häufig können diese wegen der zahlreichen Altarme des Flusses nicht als Rundtour angelegt werden, sondern als Stichwege die man auch wieder zurückgeht. Eine sehr schöne Wanderung führt vom Nationalparkzentrum in Schloss Orth durch die umliegenden Auen und den "Treppelweg" am Fluss entlang. Sie vermittelt einen sehr guten Eindruck über die Dynamik fließender Gewässer und die Besonderheiten von Altwässern mit ihren Auenlandschaften. Bei dieser Gelegenheit kann man sich im Freigelände des Zentrums auch umfangreich über Lebensräume, Tiere und Pflanzen der Nationalpark-Region informieren. Eine begehbare Unterwasserstation erlaubt dort den Unterwasser-Blick auf heimische Fische im Schlossteich. Beliebt sind auch geführte Exkursionen mit den Nationalpark-Rangern, die Wanderungen und Bootstouren im Schlauchboot, Kanu oder in einer nachgebauten Tschaike (langes, schmales Holzboot mit Wänden) als Halbstages- oder Ganztagestouren anbieten.