Kirchle bei der Rapplochklamm

 

 

 Rappenlochschlucht, Alplochschlucht

   und Kirchle Koordinaten

 

 

Die Wanderung durch die Rappenlochschlucht, die anschließende Alplochschlucht und dann hoch zum Kirchle ist überaus abwechslungsreich und ein großartiges Naturerlebnis. Zugleich ist sie aber auch ein beeindruckendes Anschauungsbeispiel in Sachen menschlicher Eingriffe in die Natur und Klimawandel.

Alles beginnt ganz unverfänglich auf einem Parkplatz (47.389733, 9.777117) im Ort Gütle an der Dornbirner Ache. Schon nach wenigen Minuten trifft man bei der Mündung der Kobelach auf Wehre, Staumauern, alte gusseisernen Rohre, Stollen und Brücken, mit denen schon seit bald 200 Jahren in den natürlichen Lauf der Ache eingegriffen wird. Das normalerweise smaragdfarbene Wasser ist diesmal mit Sedimenten eingetrübt - irgendwo da oben finden anscheinend Erdarbeiten statt. Nach einigen hundert Metern Sperrung der Stege unten am Fluss, es geht hinauf. Von oben erkennt man dann den Grund: Die ganze gegenüberliegende Felswand ist in einem gewaltigen Felssturz abgegangen.

Zuerst hatte 2005 ein Alpenhochwasser 246 m³ Wasser durch die Schlucht gejagt und eine Brücke mitgerissen, dann 2011 ein gewaltiger Felssturz, ein weiterer 2020. Wieder war das Walserdorf Ebnit mit seinen etwas über 100 Bewohnern vom Rest der Welt abgeschnitten. Seit dem Spätmittelalter steht es oben auf 1075 m ü. NHN über den Schluchten, seit Menschen aus dem Schweizer Kanton Wallis aus Armut gezwungen waren, sich in einsamen Alpentälern eine neue Heimat zu suchen. Im März 2021 dann die Sprengung von 17.000 m³ instabilem Felsen, gewaltige Verankerungen, neue Brücke, irgendwann neue Steganlagen.

Geht man am Staufensee und dem historischen Kraftwerk Ebensand vorbei, das die Stadt Dornbirn sei 1899 mit Strom versorgt und meistens besichtigt werden kann, so gelangt man in die sehr enge Alplochschlucht. Hier findet man überall Schichten aus brüchigem Mergel, eine Mischung aus Kalk und Ton. Wie lange wird er das darüberliegende Gestein noch tragen können? Wird man Orte wie Ebnit vielleicht einmal aufgegeben müssen weil ihr Weiterbestand einen unverhältnismäßig hohen Aufwand erfordert, den die Gesellschaft nicht mehr in der Lage oder bereit ist aufzubringen? Wie werden sich Regionen mit Permafrostböden in den Hochalpen verhalten, wenn die Temperaturen weiter steigen?

Schön, dass es die zahllosen schwarzen Alpensalamander am Wegrand gibt, die jetzt im Juni ihre Paarungsrituale tanzen und einen von solch düsteren Zukunftsvisionen zurückholen. Und ist man schließlich nach etwa eineinhalb Stunden und 350 Höhenmeter oben am Kirchle angelangt, so verschlägt einem diese von den Gletschern der letzten Eiszeit aus dem Gestein gewaschene Trockenklamm auf 820 m ü. NHN ganz und gar den Atem. Dieser 65 Meter lange, bis zu 13 Meter breite und 20 Meter tiefe Felsendom mit seiner grandiosen Akustik, seinen gewaltigen Kolken und hoch oben dem steinernen Bogen.

In Gütle gibt es ausreichend Parkmöglichkeiten auch für Wohnmobile. Der Weg entlang der Dornbirner Ache ist gut zu gehen, hat aber eine längere Stufenpassage. Für den Weiterweg hoch zum Kirchle ab der Straße nach Ebnit (47.371367, 9.774800) sollte man festes Schuhwerk tragen.