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Skutarisee

 

 

 

Der Skutarisee, auch Shkodrasee, Skadar See oder im montenegrinischen Skadarsko Jezero und Liqen/-i i Shkodrës ist der größte Süßwassersee des Balkans. Er liegt mit einem etwas größeren Teil in Montenegro und mit seinem östlichen Teil in Albanien. Entlang des südwestlichen, montenegrinischen Ufers liegen einige kleine Inseln wie Beska, Morancnik, Starcevon oder Grmozur.

Die kleinen Kirchen und Burgruinen auf den Inseln des Sees und an seinen Ufern zeugen noch heute davon, dass er nicht nur ein uraltes Siedlungsgebiet ist, von dem Einfluss der Türken, die das Gebiet im 13. Jahrhundert erobert und fünf Jahrhunderte lang besetzt hielten und von den heftigen Kämpfen die den See im Lauf der Geschichte immer wieder umbrandeten

 

Hydrogeologie

Anders als der tektonisch angelegte und geologisch uralte Ohridsee an der Grenze zwischen Albanien und Nordmazedonien ist der Skutarisee geologisch betrachtet sehr jung. Seine heutige Form, als flacher aber flächenmäßig großer See hat sich wesentlich erst innerhalb der letzten 18.000 Jahre eingestellt. Während der Eiszeit waren alle umliegenden Gebirge teilweise stark vergletschert, daher war der See auch während der Eiszeiten stark abhängig von den Abflüssen der damaligen Flusssysteme.

Aus hydrogeologischer Sicht handelt es sich bei dem See und seinem flachen, teils sumpfigen Umland um ein riesengroßes Polje, eine typische Erscheinung von Karstgebieten. Eines der Merkmale ist das bis zu 1.600 Meter hohe Rumija-Gebirge das den nur wenige Meter über Meeresniveau gelegenen Skutarisee von der nur etwa 20 Kilometer entfernten Adria trennt. Wenn man sich an den östlichen und nordöstlichen Ufern des Sees auf Spurensuche begibt kann man einige Merkmale dieser Landschaftsform auch selbst entdecken, insbesondere die riesengroßen Quelltümpel die für den Skutari typisch sind und von den Einheimischen oko (Auge) genannt werden.

Einige der über 30 Quellen reichen nach heutigem Wissensstand über 40 Meter tief in das verkarstete Gestein - das tiefste Auge mit Namen Radus soll sogar 60 Meter tief sein, so ganz genau weiß das allerdings wohl niemand. Vor allem in der Bucht von Hoti, die am Nordostufer als schmaler und flacher Arm etwa 15 Kilometer weit ins Land hineinreicht, kann man einige dieser Quellen am Seegrund durch ihre dunklere Färbung auf Satellitenbildern erkennen.

Liegt der Wasserstand des Sees unterhalb seines Maximums so kann man zahlreiche dieser Quellen an den östlichen und nordöstlichen Seeufern auch freiliegend finden. An einigen von ihnen ragt das Karstgestein, aus dessen Tiefe sie austreten bis an die Wasseroberfläche. An anderer Stelle findet man nur tiefe, oft kreisrunde Löcher in den mächtigen Sedimentschichten des Sees. Das Wasser das aus der Tiefe hier an die Oberfläche drängt weist die typisch türkisgrüne Färbung des Karstes auf.

Die Quellen, deren Wasser zum Teil von dem Fluss Cijevna stammen dürfte, der zum Teil im Untergrund verschwindet, tragen mit durchschnittlich knapp 40% zum Wasser des Sees bei. Allerdings sind sie je nach Grundwasserstand sehr unterschiedlich ergiebig sind so dass die Wasserstände des Skutari um bis zu fünf Meter schwanken und die Fläche beträgt zwischen etwa 370 km² im Spätsommer und 540 km² während der Schneeschmelze variiert. Das System der unterirdischen Wasserführung am Skutari ist außerordentlich komplex und in vielen Aspekten bisher noch nicht geklärt, wie etwa die Frage, ob das Seewasser bei extrem niedrigen Grundwasserständen über die Spalten im Karstgestein möglicherweise in den Grundwasserkörper zurückfließt und die Quelle so eigentlich Estavellen sind.

Neben seinen Quellen wird der See vom montenegrinischen Fluss Maroca gespeist, der aus dem Dinarischen Hochgebirge zufließt und zu einem geringen Teil vom Rijeka Crnojevica, der mit einem Arm am nördlichen Ende mit dem Skutarisee verschmilzt. Seine Flussschleifen gehören zu den bekanntesten Fotomotiven Montenegros. Die Oberfläche des Sees liegt durchschnittlich nur rund sieben Meter über dem Meeresspiegel, der Grund des durchschnittlich fünf bis neun, maximal 44 Meter tiefen Sees knapp darunter. Man spricht deshalb von einer Kryptodepression.

Der Abfluss, der Fluss Bijana, legt bis zur 20 Kilometer entfernten Adria in der flachen Ebene südlich des Rumija-Gebirges nur wenige Höhenmeter zurück und bildet dabei über seine fast gesamte Länge die Grenze zwischen Montenegro und Albanien.

Eine weitere Besonderheit des Sees ist die Rotation seines Wassers, die sich an Aufnahmen der NASA erkennen lassen. Dass dies Muster überhaupt zu erkennen ist, liegt an den zahlreichen Sedimenten, die der Fluss Moraca, der bei Vranjina in den See mündet, mitführt.

 

StrudelSkutarisee

Ein Foto des Skutarisees aufgenommen von einem Crew-Mitlglied der Internationale Raumstation (ISS)

© NASA

 

Flora und Fauna

Der Skutari ist nicht nur der größte und vielleicht schönste See des Balkans sondern nach dem Gardasee auch der zweitgrößte See Europa. Seine hydrogeologischen Besonderheiten wie die vergleichsweise geringe Dichte der Besiedlung und die extensive Landwirtschaft in dem sumpfigen Terrain haben dazu beigetragen, dass sich eine überaus reiche Flora und Fauna ausbilden konnte.

Über 20 endemische Tier- und Pflanzenarten wurden bisher am Skutarisee und seinen Feuchtgebieten entdeckt, 270 verschiedene Vogelarten, mehr als 50 Fischarten, vielfältige Amphibien wie der bekannte Skutari-Wasserfrosch und zahllose Wasserinsekten. Sie finden in den üppigen Schilfgürteln, Pflanzen- und Seerosenteppichen und in den Überflutungsgebieten an den Ufern optimale Lebensbedingungen. Nicht zuletzt tragen auch die Algen, von denen man bisher etwa 930 Arten gefunden hat, zum Reichtum des Ökosystems bei. Seit 2014 nistet auch der Krauskopfpelikan wieder am Skutarisee.

1983 wurde der montenegrinische Teil des Sees mit weiteren Randregionen von beiden Ländern als Nationalpark ausgewiesen, im Jahr 2005 folgte der albanische Teil. Von seinem südöstlichen Ende bei der albanischen Stadt Shkoder reicht das Schutzgebiet über 20 Kilometer weit bis zur Adria. 1996 wurde der Skutarisee mit der Ramsar-Konvention zudem in Liste von Feuchtgebieten mit internationaler Bedeutung eingetragen.

 

Den Skutarisee erkunden

Durch seine Länge von 48 Kilometern und seine Breite von 14 Kilometern ist es nicht einfach die schönsten Plätze, Aussichtspunkte und Sehenswürdigkeiten am Skutarisee ausfindig zu machen. Die Ufer sind teils steil und schroff, an ebenen Abschnitten finden sich ausgedehnte Sumpfgebiete und unzugängliche Auenwälder. Dennoch bietet der See zu Wasser und zu Land zahlreiche Möglichkeiten ihn und sein wunderschönes Umland kennenzulernen.

Wer sich vor allem für seine Flora und Fauna interessiert oder die Inseln mit ihren historischen Bauwerken kennenlernen möchte, der macht sich vom Ort Virpazar in Montenegro mit einem der zahlreichen Touristenboote auf den Weg. Es werden hier mehrstündige Fahrten angeboten auf denen man zwar nur einen sehr kleinen Teil des Sees kennenlernt, die aber einen guten ersten Eindruck vermitteln und Appetit auf mehr Skutarisee machen. Eine Empfehlung sind Touren die in den Rijeka Crnojevica mit seinen beeindruckenden Flussschleifen führen die sich tief in das Bergland eingegraben haben.

Auf diesen westlichsten Teil des Sees kann man von einer herrlichen knapp 25 Kilometer langen Panoramastraße aus hinabsehen, die von Virpazar nach Rijeka Crnojevica führt. Da die Straße sehr eng, teilweise einspurig ist sollte man sie mit Wohnmobil nur außerhalb der Hochsaison fahren. Wer sie mit dem Fahrrad fahren möchte hat rund 450 Höhenmeter (einfache Strecke) zurückzulegen. Eine flache und nur 10 Kilometer lange, ebenfalls sehr schöne Radtour führt am albanischen Südufer des Sees vom Abfluss der Bijana bis kurz vor die montenegrinische Grenze.

Wie man schließlich auf dem Landweg zu den schönsten der Quelltöpfe des Skutarisee kommt ist auf der WASSERWIKI Quellenkarte beschrieben.

 

 

 

Weiterführende Links und Quellen:

https://de.wikipedia.org/wiki/Mora%C4%8Da

http://www.albanianhistory.net/1913_Kisch/de/index.html

https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_Montenegros

http://monteinfo.com/skadarsko.htm

https://www.alaturka.info/de/albanien/shkoder/3007-skutarisee-aus-geologischer-sicht-betrachtet-ein-junger-see