Stadtwallpark Mühldorf

 

 

  Mühldorfer Quellenwanderung Koordinaten

 

 

Vom Gebirge kommend hat sich der Inn auf lange Strecken tief in die Moränen der Eiszeiten gegraben und vor seiner Begradigung hohe Prallhänge geschaffen. Vor allem am Fuß dieser Steilhänge treten zahlreiche Quellen aus, die von breiten Grundwasserleitern gespeist werden. In Mühldorf sind einige dieser Quellen an dem hübsch gestalteten Stadtwallpark und etwas unterhalb direkt an den Ufern des Flusses gut zugänglich. Sie lassen sich zu einem Spaziergang durch die reizvolle alte Innstadt verbinden.

Früher durchflossen die zahlreichen Quellbäche eine feuchte Auenlandschaft, weshalb es hier in vorgeschichtlicher Zeit keine Siedlungen gegeben haben dürfte, wie das weitgehende Fehlen entsprechender Funde vermuten lässt. Erstmals erwähnt ist die Siedlung im Jahr 935 im Zusammenhang mit einer Tauschurkunde. Wegen ihrer Lage am Inn spielte sie dann doch bald eine zunehmend wichtige Rolle als Handelsstützpunkt - in Richtung Regensburg, Italien und Salzkammergut. Die italienischen Einflüsse sind heute noch im Stadtbild vieler Innstädte zu erkennen. Wann und weshalb Mühldorf für lange Zeit zu einer Exklave der Erzdiözese Salzburg im Herzogtum Bayern wurde, lässt sich nicht mit Sicherheit belegen. Auch diese Sonderstellung prägte die Stadt aber.

Über die Mühlen, die ihr den Namen gegeben haben, ist wenig bekannt. Sicherlich sind sie von den zahlreichen Quellbächen angetrieben worden und nicht etwa vom Inn. Der wurde zwar vermutlich schon in der Steinzeit mit Einbäumen befahren und seit dem 13. Jahrhundert nahm die Innschifffahrt beträchtlichen Aufschwung. Allerdings war der Fluss damals noch kaum reguliert und seine Wasserstände viel zu unterschiedlich hoch, als dass man an seinen Ufern Mühlen hätte betreiben können. 

Als Ausgangspunkt für die Quellenwanderung durch Mühldorf kann man den Parkplatz am Stadtwallpark wählen. Dort hält man sich auf dem Weg, der zwischen den Teichen und dem Hang entlangführt. Im Frühjahr ist das Wasser der künstlich angelegten Teiche glasklar und man sieht zahlreiche Kaulquappen zwischen den noch frischen Wasserpflanzen schwimmen. An einigen Stellen weisen aufsteigende Gasblasen auf Wasseraustritte hin, deren stärkster am Kneipp-Tretbecken zu beobachten ist, wo das Wasser unter Druck austritt. Direkt daneben ist auch ein kleiner Brunnen gefasst.

Weiter führt der Weg vorbei am ehemaligen Wasserschloss, in dem das Wasser früher für die Trinkwasserversorgung gesammelt und aufbereitet wurde. Die nächsten Wasseraustritte direkt am Weg werden in einer kleinen Ablaufrinne gesammelt. An einigen lässt sich eine leichte Kalktuffbildung beobachten. Eine kräftige Quelle liegt etwas oberhalb eines kleinen Teiches, eine weitere großflächige Aussickerung hinter dem Anbau des Finanzamtes. Sie bildet den Ursprung des Baches durch die Grünanlage, der später verrohrt an der Friedhofstraße in den Inn mündet.

Nicht weit entfernt von dem Quellhorizont, der sich aus einem breiten Grundwasserleiter speist, wurde bis 2021 die so genannte Unertl-Quelle, ein starker artesischer Brunnen inmitten der Altstadt, von einer Brauerei genutzt. Er fördert altes artesisches Wasser aus einem tief gelegenen und unter Spannung stehenden Grundwasserreservoir an die Oberfläche. Solche artesischen Quellen finden sich auch etwa 800 Meter Luftlinie entfernt im Wald bei Annabrunn am südlichen Ufer des Inns. Die Brauerei hat inzwischen ihren Betrieb zwar eingestellt, das Wasser kann in einem kleinen Brunnenhaus aber noch gezapft werden. 

Nach einem Spaziergang durch die Altstadt bekommt man am Inn noch zwei weitere Quellen zu sehen, die insofern eine Besonderheit darstellen, als sie direkt aus den sandigen Uferbänken des Flusses treten und ihr Wasser zumeist schon wieder im Sand versickert ist, noch bevor es den Fluss erreicht.

Anhand der Quellenkarte kann sich jeder einen passenden Weg zu den Mühldorfer Quellen suchen.