Zur Bedeutung des Wassers in der Gartenkunst

Ein Gastbeitrag von G. Schwarzer

Berlin, 20.01.2022

 

Seit den Anfängen der Gartenkunst sind Gärten aufs Engste mit Wasser verbunden. Wasser war notwendig für das Wachsen und Gedeihen von Pflanzen und Bäumen und um einen ausreichenden Ertrag von Nahrungsmitteln zu sichern. Daneben wurde Wasser aber auch schon in sehr frühen Kulturen als ein zentrales gestalterisches Mittel eingesetzt. Je nach Epoche, Region, Kultur, Weltanschauung und nicht zuletzt nach seiner Verfügbarkeit wurde es dabei in unterschiedlicher Weise eingesetzt.

In strenger Symbolik war es mit dem religiösen Weltbild verbunden, stand es als ordnendes Element im Gegensatz zur wilden Natur oder im Einklang mit ihr, war der Ästhetik oder den herrschenden Moden verpflichtet.

Schon früh spielte Wasser aber auch eine wesentliche Rolle wenn es darum ging, Reichtum und Macht nach aussen zu tragen.

Dabei entwickelte sich bereits im Altertum eine ausgeklügelte Wasserbautechnik, die uns heute in Erstaunen versetzt. Seitdem Wasser nicht nur der Existenzsicherung, sonder auch dem Lustgewinn diente, hat man umfangreiche Anstrengungen unternommen, es in die gewünschte Form zu bringen. Künstlich erzeugte Kanäle ermöglichten über die notwendige Bewässerung hinaus ein verschwenderisches Spiel mit dem Wasser.

Inhaltsverzeichnis:

1. Mythologisch-religiöse Bedeutung des Wassers in den antiken Gartenanlagen

1.1. Der Teichgarten für die Götter und die Toten im alten Ägypten

1.2. Bewässerung in Mesopotamien

1.3. Die vier Ströme im persischen Garten

1.4. Geweihte Quellen in heiligen Hainen im antiken Griechenland

1.5. Der Kult um Wasser und Badebassins in den Gärten des antiken Roms

2. Maurische Gärten, Renaissance-Garten, Barockgarten, Landschaftsgarten

2.1. Das Wasser des Paradieses in den maurischen Wassergärten

2.2. Wasser im Überfluss in der Gartenkunst der italienischen Renaissance

2.3. Wasser als Reflexionsflächen der Macht in den barocken Schlossanlagen

2.4. Wasser als Stimmungsträger im Landschaftsgarten

3. Wasser und Steine in der ostasiatischen Gartenkunst

3.1. Die Seen als Spiegel des Himmels in der chinesischen Gartenkunst

3.2. Wasser ohne Wasser im japanische Zen-Garten

 

1. Mythologisch-religiöse Bedeutung des Wassers in den antiken Gartenanlagen

1.1. Der Teichgarten für die Götter und die Toten im alten Ägypten

Das alte Ägypten war geprägt und abhängig von der jährlichen Überschwemmung des Nils, der Lebensader der Wüste, die den nährstoffreichen Schlamm für das Agrarland mit sich brachte. Die ersehnte Flut spendeten in der Vorstellungswelt der Ägypter die Götter. Mindestens drei der zahlreichen ägyptischen Gottheiten wurden damit in Verbindung gebracht. Zum Dank und zu ihrem Wohlgefallen wurden sie in den frühen Gartenanlagen geehrt. Die zumeist um einen heiligen See angelegten heiligen Haine waren eine Art Tempelanlage, bei der die Baumsetzung der Säulenanordnung altägyptischer Tempel glich.

Auch die Paläste und Pyramiden der gottgleichen Pharaonen, die Paläste hoher Würdenträger und Priester waren von Gartenanlagen umgeben. Von Inschriften und zahlreichen Darstellungen an den Wänden in Grabkammern haben wir heute ein zwar idealisiertes, aber recht genaues Bild eines ägyptischen Gartens, das durch spätere Ausgrabungen bestätigt wurde. Im Zentrum befand sich stets ein künstlich angelegtes rechteckiges, mit Stufen versehendes Wasserbecken. Es war Regenauffangbecken, diente zur Bewässerung der Pflanzen und zur Kühlung, aber auch zur rituellen Reinigung.

Wasser war eng mit dem Totenkult verbunden. Die Fahrt über das Wasser galt als Passage von Tod und Wiedergeburt. So wurden die toten Pharaonen von der östlichen Seite des Nils auf die westliche zu ihren Grabstätten, den Pyramiden geschifft - eine Richtung, die sich in späteren Dynastien umkehrte. Zu rituellen Barkenfahrten während der Totenfeiern wurden auch die größeren Teiche in den Gärten am Grab genutzt.

Im Neuen Reich (von 1550 bis  1080 v. Chr.), als sich das Jenseits ins Diesseits verkehrte, spielte der Teichgarten eine besonders herausragende Rolle. Wenn die Toten am Tage ausgingen, sollten sie in ihren Gärten Erquickung unter schattigen Bäumen und an blumenreichen Ufern finden, sie sollten sich reinigen können, mit Fischen versorgt sein und sich über das Wasser rudern lassen. Dass es sich dabei um keine reinen Nutzgärten, sondern vornehmlich Lustgärten handelte, liest man in überlieferten Totenwünschen (Assmann, Tod und Jenseits im alten Ägypten, S,301 ff). In den Abbildungen erscheint der Teich mit Fischen, Enten und Blumen am Beckenrand immer als Einheit.

Den Luxus realer Gärten am Grab (Loeben, Der Garten in und am Grab) teilweise mit mehreren Wasserbecken, konnte sich nur die reiche Oberschicht leisten. Sie waren nicht zuletzt auch Prestigeobjekte: Im Vorhof des Totentempels von Amenophis etwa gab es ein Becken von 26 Meter Länge. Selbst für wohlhabende Ägypter waren der Garten wie auch die Passage über das Wasser in die jenseitige Welt hingegen nur als symbolische Abbildung an den Grabwänden zu haben.

Die Blütezeit der ägyptischen Gartenkunst im Neuen Reich brachte zunehmend repräsentative Lustgärten als Statussymbole der hohen Würdenträger hervor. Zu dieser Zeit wurde der Schaduf erfunden, ein Schöpf- und Hebegerät zur ständigen Bewässerung der Pflanzen - eine Erleichterung für die mühsame Arbeit nicht nur der Gärtner, sondern auch manch eines Bauern. Die Gärten mit der Fülle ihrer Blumen wie aber auch die Felder waren in den Dürreperioden auf üppige Bewässerung angewiesen.

Intelligente Bewässerungssysteme mit teils unterirdisch verlaufenden Kanälen leiteten das Wasser des Nils auf die sonst unfruchtbaren Böden. Diese Bewässerungsanlagen bestimmten auch die rechteckige Einteilung der streng symmetrisch geordneten Gartenabteile. Wie sehr ein Teich integraler Bestandteil des altägyptischen Gartens war, spiegelt sich in der Namensgebung SCHA (Loeben, Der Garten in und am Grab, S. 32) wider, die in gleicher Weise für See/Teich wie auch für Garten im Sinne von Seelandschaft Verwendung fand. Die Landwirtschaft konnte andererseits mit Hilfe dieser neuen Bewässerungstechniken weitere Anbauflächen gewinnen, um die wachsende Bevölkerung mit Nahrungsmitteln zu versorgen.

 

Verwendete Literatur und weiterführende Links

Jan Assmann, Tod und Jenseits im alten Ägypten

https://books.google.de/books?id=704cGdWigasC&pg=PA304&lpg=PA304&dq=Barken+bei+den+Totenfeiern+in+%C3%84gypten&source=bl&ots=3bxVG9KBu4&sig=ACfU3U2V6JTXOGPmQ4RAgdPBDdgl-EkbRg&hl=de&sa=X&ved=2ahUKEwii-ZHz_-zxAhUL7aQKHYsJB8oQ6AEwEHoECBQQAw#v=onepage&

Christian E. Loeben, Der Garten in und am Grab - Götter in Gärten und Gärten für Götter: Reale und dargestellte Gärten im alten Ägypten S. 32

https://www.e-periodica.ch/cntmng?pid=oac-001:2014:60::542

http://www.gartenkunst-beitmann.de/weiter.php?buch=1&kap=10

https://www.graf-gartenbau.ch/Geschichte%20Gartenkunst/Geschichte%20der%20Gartenkunst%20Altertum%20bis%20Mittelalter1.html

https://www.projekt-gutenberg.org/gothein/garten1/chap002.html

 

1.2. Bewässerung in Mesopotamien

Wie die Entwicklung zur Hochkultur in Ägypten nur durch die technische Beherrschung der Wassernutzung des Nils möglich war, gilt das im angrenzenden Mesopotamien für Euphrat und Tigris. Auch hier ist das Wasser religiös mit Riten verbunden, Wasser war ein Geschenk der Götter. Im heutigen Irak hatte einst die sumerische Himmelsgöttin Inanna als Mädchen den Haluppu-Baum nach einem Sturm aus den Fluten des Euphrats gerettet. Sie pflanzte ihn in ihrem heiligen Garten in Uruk ein, womit sie die Grundlage für Fruchtbarkeit und Macht schuf.

Der Mythos bietet ein anschauliches Bild für den Gegensatz von der wilden Natur mit ihrer unberechenbaren Kraft des Wassers und dem gegen äußere Widrigkeiten geschützten Hort eines Gartens. Die seit über 100 Jahren dauernden Ausgrabungen in Uruk bezeugen den dauernden Kampf gegen die Naturgewalt und deren intelligente Nutzung. Ein Ringkanal schützte die Lehmarchitektur vor den Fluten des Euphrats, ein weitverzweigtes Kanalsystem sorgte für die Bewässerung der Felder und Gärten.

Gärten sind nur aus schriftlichen Überlieferungen bezeugt, wonach assyrische Könige ihre kleinen Paradiese förderten und schätzten. Um den Garten bei Ninive zu bewässern, ließ König Sanherib einen 70 km langen Kanal bauen. Die einstige Existenz der Babylonischen Gärten oder Hängenden Gärten der Semiramis, die es zum Weltkulturerbe schafften, wird in der Forschung sowohl angezweifelt als auch belegt, und zwar in Ninive. Die Kenntnis, solch einen terrassenförmigen Gartenberg zu bewässern, dürfte aber vorhanden gewesen sein, befinden sich doch in den Berichten der Ausgrabungen, wie in Hans Graf Geschichte der Gartenkunst erwähnt, Beschreibungen über hydraulische Maschinen mit Schöpfeimern, die durch Rad und Kette in eine Endlosschleife gebracht wurden. Ein ähnliches Modell von „hängenden Gärten“ wird für die Isola Bella im Lago Maggiore vermutet.

 

Verwendete Literatur und weiterführende Links

https://de.wikipedia.org/wiki/Gilgamesch,_Enkidu_und_die_Unterwelt

https://www.graf-gartenbau.ch/Geschichte%20Gartenkunst/Geschichte%20der%20Gartenkunst%20Altertum%20bis%20Mittelalter1.html

 

1.3. Die vier Ströme im persischen Garten

Die Perser übernahmen nach ihrer Eroberung Mesopotamiens und Ägyptens (6. Jh. v. Chr.) die Gartenkultur der Sumerer und Ägypter und fügten die sich kreuzenden Wasserläufe hinzu. In diese Zeit fällt der Schöpfungsbericht der jüdischen Tora, wo es, wie auch im 1. Buch Mose, der Genesis heißt: „Ein Strom entspringt in Eden, der den Garten bewässert; dort teilt er sich und wird zu vier Hauptflüssen. Der eine heißt Pischon; ... der zweite Strom heißt Gihon; ... der dritte Strom heißt Tigris, er ist es, der östlich an Assur, vorbeifließt. Der vierte Strom ist der Euphrat“  Hier an der Schnittstelle von Orient und Okzident entstanden die Gärten, die fast überall als Inbegriff des Paradieses auf Erden gelten. Jochen Wiede erzählt reich bebildert die Geschichte der orientalisch-persischen Gartenkunst bis heute.

Der griechische Philosoph und Historiker Xenophon bewunderte die persischen Königsgärten, die er 401 v. Chr. kennengelernt hatte. Er führte den altiranischen Begriff „pari-daiza“ für den mit Mauern umgrenzten Raum ins Griechische ein. König Kyros II. hatte in jedem Palast einen Garten als Machtsymbol, aber auch als Ort der Zurückgezogenheit und der Kontemplation. Es handelt sich um die Grundform des viergeteilten Gartens, durchzogen von in Stein gefassten Kanälen. In solch einem klassischen Chahar-Bagh ergießen sich von einem Becken oder Brunnen in der Mitte vier Wasserläufe, die den Garten in vier Rechtecke teilen. Der Gedanke an das Paradies, in dem Milch, Honig, Wein und Wasser fließen, liegt nahe. Aber diese Deutung der vier Ströme des Korans kam nach Wiede erst Jahrhunderte später auf.

Persische Gärten waren ursprünglich ein Produkt der Wüste. Als künstliche Oasen mit einem künstlichen Wasserbecken wurden sie der heißen trockenen Region abgetrotzt. Eine hohe umfriedende Mauer ringsherum schützte das Luxusgut Wasser vor Verdunstung, denn es war die Grundlage, um die schattenspenden Baumreihen für die Nutzpflanzen zu setzen. Gleichzeitig sollte sie vor Gefahren, Schmutz und Lärm der Außenwelt abschotten. Mit der mehrere tausend Jahre alten Technik der Qanate, ein Kanal- und Tunnelsystem zur Frischwasserversorgung aus höher gelegen Gebieten, war es den Persern möglich, sehr große Wassermassen unterirdisch und damit verdunstungsfrei zu bewegen.

Wie für Ägypter und Sumerer war auch für die Perser schon in vorislamischer Zeit das Wasser ein heiliges Symbol. Brunnen und Teiche in den Gärten gewannen zunehmend an Bedeutung. Schon damals wurden Becken und Kanäle hellblau gekachelt zur optischen Verstärkung der kühlen Frische - was somit keine Erfindung moderner Schwimmbadarchitektur ist (Rolf Brockschmidt).

Stärker noch als in den anderen antiken Gärten sprach der persische Garten alle Sinne an durch plätschernde Brunnen, duftende Pflanzen, farbenfrohe Blüten, köstliche Früchte. Mit der arabischen Eroberung und des Beginns der Islamisierung (7. Jh. n. Chr.) fand dieser viergeteilte Gartentyp - Chahar Bagh - als archaische Grundform weite Verbreitung, vor allem auf der iberischen Halbinsel, in Nordafrika und bis nach Indien. Mit zunehmender Islamisierung wurde das Wasser dann auf zahlreiche der Suren im Koran gedeutet.

 

Verwendete Literatur und weiterführende Links

Rolf Brockschmidt, https://www.tagesspiegel.de/kultur/orientalische-gartenkultur-das-laecheln-der-blumen/25876276.html

http://www.gartenkunst-beitmann.de/weiter.php?buch=1&kap=10

https://www.graf-gartenbau.ch/Geschichte%20Gartenkunst/Geschichte%20der%20Gartenkunst%20Altertum%20bis%20Mittelalter1.html

Ina Sperl,  https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wohnen/woher-kommt-die-vorstellung-vom-paradiesgarten-16940009.html

 

1.4.Geweihte Quellen in heiligen Hainen im antiken Griechenland

Im antiken Griechenland gab es neben Nutzgärten die heiligen Haine. Entstanden sind sie im Zusammenhang mit dem Kultstatus, den Bäume und Wasser einnahmen. Wasser bedeutete Reinigung und Fruchtbarkeit. In der Dichtung Homers (8./7. Jh. v. Chr.) wird solch ein Ort der Götter- und Heroenverehrung als ein unter Baumschatten stehender Altar an einer Quelle geschildert. Natürliche Höhlen und Grotten, aus denen dem karstigen Untergrund oft Quellen entsprangen, waren maßgebend bei der Auswahl solcher Heiligtümer.

Im alten Griechenland hat die Quellenverehrung eine lange Tradition. Ausdruck dessen ist beispielsweise Pindars Ode an die Olympischen Wettspiele, die mit den Worten beginnt: "Das Beste aber ist das Wasser". Das besondere Verhältnis der Griechen zu Brunnen und Quellen resultiert aus der Vorstellung, dass die aus der Tiefe der Erde entspringenden Quellen Kinder der Erde (ag-wassertechnik/public/Publikationen/Schriftenreihe/Heft25.pdf, S. 12) sind  Sie wurden den Nymphen als Quellgottheiten geweiht, die Teil eines reichen griechischen Kosmos an Naturgottheiten waren.

Grotten mit Quellen stellten die ersten Nymphäen dar. Aus ihnen entwickelten sich die in der späteren Gartenkunst so beliebten Brunnenhäuser und Brunnenfassaden. In den heiligen Hainen als deren Weiterentwicklung fanden später Wettkämpfe zu Ehren der Götter statt, in deren Zusammenhang man Statuen aufstellte. Die Haine gelten als Ursprung der Gymnasien und Akademien und waren eine frühe Form der öffentlichen Parkanlagen.

Zur Zeit Platons (429 - 347 v. Chr.) gehörten zu die Gymnasien neben den Übungsplätzen für körperliche Ertüchtigung schöne, reich bewässerte Gartenanlagen, Tempel, Altäre und Schwimmbassins. Ein großes Badebassin ist heute noch an der Ausgrabungsstätte in Delphi zu sehen. In Entsprechung zur demokratischen Organisation des griechischen Gemeinwesens kam dem Staatsbürger in den heiligen Hainen ein höherer Stellenwert zu als etwa in den ägyptischen Gartenanlagen. Zwar waren auch die griechischen Haine Stätten der Verehrung von Gottheiten, aber sie waren nicht dem gottgleichen Herrscher und seinen politischen Eliten vorbehalten.

Zur vollen Entfaltung kam die griechische Gartenkunst allerdings erst später im Hellenismus und im Zusammenspiel mit der römischen Villa.

 

Verwendete Literatur und weiterführende Links

https://www.projekt-gutenberg.org/gothein/garten1/chap004.html

https://www-docs.b-tu.de/ag-wassertechnik/public/Publikationen/Schriftenreihe/Heft25.pdf, S. 12

 

1.5. Der Kult um Wasser und Badebassins in den Gärten des antiken Roms

Der neue Gartentyp im antiken Rom war die „Otium“-Villa, ein Landhaus als Ort des Rückzugs ins Private. Hier griff man bewusst die Tradition der griechischen Gymnasien auf. Die Villen wurden mit Skulpturen und Wasseranlagen geschmückt. Für die Nymphen schaffte man kühle und schattige Quellbereiche, die Nymphäen. Die Ausführung der Brunnenhäuser und Brunnenfassaden war zunehmend mit einem hohen architektonischen Anspruch verbunden, sie wurden mit Wandmosaiken und Muscheln verziert.

Der ursprünglich religiöse Hintergrund, wie ihn der Heilige Hain der Griechen noch gehabt hatte, trat zunehmend in den Hintergrund. Vornehmlich dienten die römischen Gärten dem Repräsentationsbedürfnis der reichen Oberschicht. Die opulenten Villen mit einem Garten im Peristylhof und Wasserbecken öffneten sich zur Landschaft oder zum Meer hin. Mit immer detaillierteren Kenntnissen der Hydraulik und hochentwickelter Wasserbautechnik erstellten die Römer Aquädukte, mit denen sie Wasser über weite Distanzen bewegen konnten. Ingenieure ersannen immer ausgeklügeltere Techniken zur Bewässerung der Ziergärten, für den Betrieb von Wasserbecken, Wasserspielen oder Wasseruhren.

Frontinus, der Chef der römischen Wasserversorgung, verfasste vor ca. 2000 Jahren das erste Handbuch für Wasserbauingenieure. Der Kult um die technische Handhabung des Wassers war eines der Kriterien, durch das sich die Römer nach ihrem eigenen Selbstverständnis von den Barbaren unterschieden. Unter Agrippa und Augustus erreichte der Wasserbau seinen ersten Höhepunkt. Andererseits rief der zunehmend verschwenderische Umgang der römisch-griechischen Eliten mit Wasser schon damals auch Kritik hervor.

Das Badebassin der Villa Poppäa bei Pompeji etwa maß 60 x 17 Meter. Viele der Villen wurden mit Kanalsystemen zur Be- und Entwässerung versorgt, im Luxussegment war die Fußbodenheizung eine Selbstverständlichkeit. Ohne den damaligen Wasserreichtum wäre all dies nicht möglich gewesen. Obwohl viele der Privatgärten über Regenauffangbecken verfügten, wäre der verschwenderische Umgang mit Wasser nicht mögich gewesen, wenn es damals nicht reichlich zur Verfügung gestanden hätte: Für jeden Einwohner der Millionenstadt Rom wurden durchschnittlich ca. 1 m³ Wasser pro Tag vorgehalten (gartenkunst-beitmann, Kap. 6) – heute liegt der durchschnittliche Verbrauch bei etwa 125 Litern. 

Bis heute berühmt ist die Villa Hadriana bei Tivoli (Anfang 2. Jh. n. Chr.), die Sommerresidenz des römischen Kaisers. Durch die Anlage führt ein langgestreckter Kanal, flankiert von Kopien griechischer Statuen. In Bädern, Seen, Becken, Nymphäen und Zierbrunnen drückt sich die zentrale Bedeutung des Wassers aus. Unterirdische hydraulische Anlagen deckten den Wasserbedarf der Hadriansvilla ohne den optischen Reiz zu stören. Für Zufluss und Ableitung des Brauchwassers gab es jeweils einen eigenen Leitungsaquädukt. Das heutige Ruinenensemble, einst ein imposantes Beispiel der Machtgeste durch Wasserreichtum, war Vorbild vieler barocker Gartenanlagen mit ihren reichen Wasserspielen.

Die Verbindung mit dem Göttlichen, seine Bedeutung als Lebenselexir, dem Respekt und Demut bezeugt werden, hatte das Wasser inzwischen allerdings verloren. In einer römischen Kultur, die pragmatisch ausgerichtet war, und die das Wohlleben suchte, stand die Frage nach dem technisch Machbaren im Vordergrund.

Nicht zuletzt mit ihrer Bade- und Thermenkultur haben die Römer die Zivilisation Europas nachhaltig beeinflusst. Siedlungsgründungen in den besetzten Gebieten erfolgten vorzugsweise dort, wo Vorkommen an Heil- und Thermalwässern zur Verfügung standen. Die Oberschicht, selbst der einfache Legionär wäre nicht bereit gewesen, auf die Annehmlichkeiten der selbstverständlich gewordenen Thermen und Badehäuser zu verzichten. Jedes römische Militärlager hatte sein eigenes Kastellbad. Während südlich der Alpen den Gärten mit ihren Bassins und Wasserspielen noch immer die zentrale Rolle zukam, verlagerte sich bei dem raueren Klima nördlich der Alpen das soziale Leben zumal in der kalten Jahreszeit in solche beheizten Badhäuser und Thermen.

 

Verwendete Literatur und weiterführende Links

https://www.gartenkunst-beitmann.de/weiter.php?buch=1&kap=10 Kap. 6

https://www.projekt-gutenberg.org/gothein/garten1/chap005.html

https://www.tagesspiegel.de/gesellschaft/wasserversorgung-in-der-antike-wie-die-alten-roemer-im-wasserueberfluss-schwelgten/24432808.html

https://www.graf-gartenbau.ch/Geschichte%20Gartenkunst/Geschichte%20der%20Gartenkunst%20Altertum%20bis%20Mittelalter1.html

 

2. Maurische Gärten, Renaissance-Garten, Barockgarten, Landschaftsgarten

Mit dem Niedergang des römischen Reichs ab dem 4. nachchristlichen Jahrhundert verfiel auch die Gartenbaukunst in Europa. Die Barbaren waren zwar mit den Annehmlichkeiten römischer Gärten und Badekultur in Kontakt gekommen, sofern und soweit sie sich in die Gepflogenheiten römischen Alltagslebens integriert hatten. Eigene Ansätze zur Gartengestaltung verfolgten die Germanen, Kelten oder Gallier aber nicht. Die Idee des Christentums, der Mensch solle sich die Erde untertan machen, ist ein ausdrücklich römisches Erbe.

Die Volksgruppen Mittel- und Nordeuropas lebten hingegen weiterhin in einer starken Verbindung mit den Kräften der Natur und den göttlichen Wesenheiten, die sie verkörperten. Heiligen Quellen, Bäumen, Höhlen und vielen kraftvollen Naturplätzen brachten sie tiefe Verehrung entgegen ohne wesentlich gestaltend einzugreifen. Die Verehrung der Quelle als geheiligter Platz, die ihren Ausdruck später in der christlichen Volksfrömmigkeit fand, entwickelte sich aus diesen Naturrelegionen. Die höfische Gartenbaukunst war hingegen von Einflüssen der Antike und der arabischen Kultur geprägt. Die Gärten von "al-Andalus" entwickelten sich ab dem 8. Jahrhundert zu höchster Reife und beeinflussten die spätere Entwicklung in Europa maßgeblich.

 

2.1. Das Wasser des Paradieses in den maurischen Wassergärten

Ursprüngliches Vorbild der maurischen Gärten war der klassische Chahar-Bagh. Der vorislamische Garten als Ort des Vergnügens passte zu den Koranbeschreibungen des Paradieses auf Erden und wurde zum wichtigen Symbol für das Ziel des irdischen Lebens. Etwa 30-mal taucht der Begriff „Gärten, unter denen Wasser fließt“ im Koran auf. Vor allem die Sure 47, Vers 16 verheißt für das Nachleben der Gläubigen einen Garten: "Dort fließen Ströme von Wasser, das nicht verdirbt, Ströme von Milch, Ströme von Wein und Ströme geläuterten Honigs ...." Wasser ist auch hier Symbol der Reinheit und des ewigen Lebens, wurde zunehmend nach den Suren gedeutet und nahm in den persischen Gärten eine herausragende Rolle ein. Es sollte in Bewegung gehalten werden - ein wesentlicher Grund für die Entwicklung feiner Wasserkünste in der islamischen Welt. Dabei stand mehr das Wesen des Wassers als der Symbolgehalt der Quelle im Fokus.

Bei der Eroberung Spaniens im 8. Jahrhundert war die islamische Kunst noch antik-römisch und byzantinisch geprägt gewesen. In den folgenden Jahrhunderten bildete sich ein besonderer Maurischer Stil heraus. Bezaubernde Beispiele des Prinzips Paradiesgarten sind die Alhambra und der Generalife, der höhergelegene Sommerpalst in Granada. Mit der Erweiterung der Alhambra im 13. und 14. Jahrhundert entstanden der Löwenhof und der Myrtenhof. Die vier schmalen Kanäle im Löwenhof entspringen den Palastgebäuden und strömten dem zentralen 8-eckigen Brunnen zu (die Achtzahl verweist auf das Paradies), der von 12 wasserspeienden Löwen umgeben ist. Von vier kleineren Springbrunnen an den Seiten fließt das Wasser in kleinen Rinnen bis in die Säle des Palastes. Im Myrtenhof ist das große von Myrtenhecken umrandete Wasserbecken ein einziger reflektierender Wasserspiegel für den Turm mit seinen Zinnen. Die ruhigen, fast bewegungslosen spiegelgleichen Flächen bewirken, dass sich der Himmel bis zu den Wurzeln der Bäume und bis zu den Fundamenten der Gebäude herabsetzt, um mit dem Licht Helle und Heiterkeit in die sonst düsteren Innenhöfen zu bringen, wie bei Hans Graf Gartenkunst beschrieben.

Der wichtigste Teil des Genralife ist der Hof des Bewässerungskanals, in den von beiden Seiten in hohen Bögen feine Fontänen plätschern. Wasserknappheit im trockenen Andalusien führte zu dieser meisterlich vollendeten Technik des feinen Wasserstrahls, der dann in Italien und ganz Europa Anwendung fand.

Auch wenn das Bild des Paradieses im Koran hauptsächlich mit dem lebensspenden und reinen Wasser verbunden wird, so ist doch die Beherrschung des Wassers zugleich ein Bild für die Macht des Herrschers. Wasser, das von den Bergen kommend, in Kanälen zum Palast fließt, Becken und Wasserläufe füllt und Fontänen zum Sprudeln bringt, wer es kontrollieren und durch seinen Palast fließen lassen kann, ist mächtig

Den sinnlichen Genuss eines orientalisch-islamischen Gartens kann man seit 2005/2007 in den Gärten der Welt in Berlin-Marzahn erfahren. Der Garten, den man durch den „Saal der Empfänge“ betritt, ist von einer vier Meter hohen Mauer umgeben. In der Mitte befindet sich eine große Brunnenschale, von der vier Becken abgehen, die nach dem islamischen Prinzip die geometrische Vierteilung schaffen. Hinzu kommt der Duft der Zitrusbäume, die Farben- und Formenpracht der Zierpflanzen und die über eine Millionen gesetzten Mosaiksteine, die im Licht-Schatten-Spiel unter der Glaskuppel Boden und Wände verzaubern.

Der Brunnen, der aus den vier Paradiesflüssen des Gottesbergs gespeist wird, bleibt das zentrale Motiv in den Klostergärten des Mittelalters. Später werden in Renaissance und Barock die christlichen Inhalte in die Formensprache der antiken Mythologie gewandet.

 

Verwendete Literatur und weiterführende Links

https://www.ganz-la.ch/fileadmin/media/downloads/publikationen/1994_Der_Paradiesgarten_im_Islam_gartenbau.pdf

https://www.graf-gartenbau.ch/Geschichte%20Gartenkunst/Geschichte%20der%20Gartenkunst;%20Renaissance%20bis%20Neuzeit.htm

https://www.gaertenderwelt.de/gaerten-architektur/themengaerten/orientalischer-garten/

Claudia Schülke, https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/islamische-gaerten-symbolisieren-goettliche-verheissung-17318703.html

 

2.2. Wasser im Überfluss in der Gartenkunst der italienischen Renaissance

Die Gartenkunst der italienischen Renaissance ist wie die ganze Epoche geprägt von der Rückbesinnung auf die Antike. Das Zeitalter der Entdeckungen und Erfindungen, der Ausgrabungen antiker Stätten, des Studiums antiker Quellen brachte wirtschaftlichen Aufschwung. Zu Wohlstand gelangte Bürger, Kaufleute, Philosophen und Würdenträger ließen sich Villen auf dem Land bauen. Die wegen der kühlen Aufwinde bevorzugte Hanglage, auf deren Höhe die Villen stehen, öffneten die Gärten zur Landschaft hin. Mit den Gärten, die der Muße des Besitzers und seiner Gäste dienten, erfüllte man sich den Wunsch nach Repräsentation von Reichtum und Macht.

Bequem sollte der Anstieg für die Besucher sein. Durch Terrassen mit verbindenden Treppen, Rampen und Balustraden überwand man den Höhenunterschied. Für Kurzweil und Überraschungen auf dem langen Weg sorgten die zahlreichen Wasserspiele. Die Hanglage kam ihnen dabei zugute, um den natürlichen Druck des Gefälles von den oben liegenden Wasserreservoirs zu nutzten. Nur den besten Architekten und fähigsten Wasseringenieuren überließ man die Anlage des Gartens, der nun auch in Mitteleuropa wieder zum Kunstwerk aufstieg.

Das Wasser wurde zum wichtigsten Gestaltungselement, ja zum flüssigen Baustoff. Die Renaissancespiele mit und durch Wasser wurden technisch immer aufwendiger. Wasserachsen mit Wassertreppen, Kaskaden und Fontänen, Brunnen, wasserspeiende Figuren, tönende und klingende Wasserspiele und plötzlich nassmachende Wasserscherze dominierten in den Gärten. Ruhige spiegelnde Wasserflächen wechseln mit schäumenden, sprudelnden, rauschenden, tänzelnden Wassermassen ab. Mit der zunehmenden Perfektion lag dem Gesamtkunstwerk von Architektur, Pflanzung, Wasser und Skulpturen immer ein Motiv zugrunde, die Hauptrolle spielte aber nach wie vor das Wasser. Es wurde wichtiger als die Bepflanzung.

Die Präsenz des Wassers wurde im Zuge der technischen Möglichkeiten immer dominanter. Das Naturelement Wasser wurde zu H2O. Die verwüstende Naturgewalt des einst unberechenbaren Urelements wandelte sich zum gezähmten flüssigen Stoff, der sich künstlerisch gestalten ließ. Zu den prächtigen Brunnenanlagen gesellten sich immer mehr Allegorien des Wassers, Poseidon, Amphitrite, Aphrodite, Flussgötter und verschiedene Nymphen. Seine ehemals fundamentale spirituelle Bedeutung hatte das Wasser in diesen Gärten aber ein gutes Stück weit eingebüsst. Es blieb die Faszination.

Für Leonardo da Vinci als herausragenden Vertreter einer neuen Zeit, in der mehr und mehr das wissenschaftliche Interesse erwachte, war Wasser stets lebensspendende und todbringende Naturgewalt zugleich. Mit seinen Wasserzeichnungen stand er am Anfang der wissenschaftlichen Untersuchung des Wassers. Er versuchte die Bewegung des Wassers festzuhalten, die Gestalt des Wassertropfens zu ergründen, zeichnete Überschwemmungen, Blasen, Strudel und Wirbel, die eine zentrale Rolle bei ihm spielten. Seine Projektionsskizzen von Pumpen, Bewässerungssystemen und Wasserwerken waren auch für die Praxis in der Gartenkunst gedacht.

Die Villa d’Este (16. Jh.) in Tivoli bei Rom zeigt noch heute einen der beeindruckendsten und besterhaltenen Gärten der bereits ausgehenden Renaissance. Kardinal Ippolit II., zweitgeborener Sohn von Alfonso I. d´Este, dem Herzog von Ferrara, beauftragte als Statthalter von Tivoli für die Anlage den Architekten Ligorio. Der hatte die Ausgrabungen der Villa Hadriana geleitet und dabei das dortige Wassersystem kennengelernt. Ippolit, der aufgrund seiner kirchlichen und weltlichen Verbindungen einer der wohlhabendsten Kardinäle seiner Zeit war, verfolgte mit der Gartenanlage nicht nur die Förderung der Künste, sondern auch das Ziel, der Welt Größe und Macht seines Adelsgeschlechts vor Augen zu führen. Mit den komplexen Allegorien der Brunnen und Statuen wollte er aber auch seinen hohen Bildungsgrad zum Ausdruck bringen.

Während der 20-jährigen Bauzeit wurde ein Flussbett verlegt, um das Wasser zu jeder Jahreszeit auf spektakuläre Weise inszenieren zu können, seine Schwerkraft gleichermaßen zu überwinden wie zu nutzen. Von zwei Aquädukten bzw. unterirdischen Kanälen, die mit den Flüssen Aniene und Rivella verbunden sind, wurden die immensen benötigten Wassermengen sichergestellt. Insgesamt sprudelt das Wasser aus über 500 Brunnen, Nymphäen, Grotten und Wasserspielen. Drei langgestreckte Fischbecken liegen auf den Terrassen der Wasserachse von der Villa hügelabwärts im Garten. Der mächtige Neptunbrunnen mit Wasserfällen und Kaskaden verdeckt den Wassergott durch einen Schleier aus dichtem Sprühregen, darüber befindet sich die Wasserorgel. Der Ovato- oder Tivoli-Brunnen dient als Wasserreservoir.

Die Statuen stellen den mythologischen Bezug zur einstigen Größe des Adelsgeschlechts dar. In der Allee der 100 Brunnen sprudelt das Wasser auf mehreren Ebenen aus Fontänen in Form von Fächern und Blütenkelchen und aus den Mäulern fratzenhafter Wasserspeier. Auf der quer laufenden Wasserachse verbindet die Allee der 100 Brunnen die Fontana di Roma mit dem Tivoli Brunnen. Die Symbolik dieser Wasserachse wird mit dem Interesse Ippolits an Rom und Tivoli gedeutet.

Die Gestalter der Scherzbrunnen in Hellbrunn bei Salzburg nahmen sich die Villa d’Este und den italienischen Typus des „Teatro delle acque“ zum Vorbild für die heute noch guterhaltenen Wasserspiele aus der Zeit der Spätrenaissance. In den mit Muscheln bestückten Grotten und Teichen tummeln sich allerorts Allegorien des Wassers, lagern Flussgötter, Wassergöttinnen, Tritonen und Nereiden, wasserspeiende Tritonschnecken. In der Vogelsanggrotte lauscht man 12 verschiedenen Vogelstimmen, deren Töne alle mit einer wasserbetriebenen Walze und einem Blasebalg durch hydraulische Künste hervorgebracht werden. Scherzbrunnen überraschen noch heute, wer dem „Fürstentisch“ trocken entkommen ist, den überraschen auf seiner Flucht weitere unerwartet aufsteigende Wasserwände. Auch eine Wasserorgel und ein mechanisches Theater funktionierten mit Wasserantrieb. Für derartige Wasserspiele und Wasserautomaten wurden eigene Brunnenmeister engagiert.

 

Verwendete und weiterführende Literatur

https://www.brunnenturmfigur.de/index.php?cat=Brunnen%20und%20Wasserspiele%2Fin%20aller%20Welt%2FItalien%2FRom&page=Villa%20d%27Este

https://de.wikipedia.org/wiki/Wasserspiele_Hellbrunn


 

2.3. Wasser als Reflexionsflächen der Macht in den barocken Schlossanlagen

Der italienische Gartenstil fand Einzug in Frankreich und mit ihm die italienischen Hydrauliker und Wasseringenieure. Lange Kanäle zur gestalterischen Verbindung einzelner Gartenabschnitte waren nun Merkmale der französischen und holländischen Schlossparks.

Die verschwenderische Lust am Wasser gipfelte um die Mitte des 17. Jahrhunderts im Schlosspark von Versailles, der wie eine Wasserstadt für den Sonnenkönig Louis XIV. konzipiert wurde. Die Wasserachse mit dem endlos scheinenden schnurgeraden Kanal verlängert den Horizont in die endlos anmutende Weite. Durch das weite, ebene Gelände konnten hier andere Effekte erzielt werden als im hügeligen Land um Rom. Man konnte mit großen Wasserflächen spielen. Die vertikalen Spiegel in den Sälen des Schlosses finden ihr Pendant in den horizontalen Spiegeln der großen flachen Wasserbecken im Wasserparterre. Sie werden zu Reflexionsspiegel des Himmels, eine Anspielung auf das Gottesgnadentum des absolutistischen Herrschers. Steinerne Allegorien der acht größten Flüsse Frankreich an den beiden Bassins im Wasserparterre bestärkten seinen politischen Machtanspruch. Nachts spiegelten sich auf den Wasserflächen Feuerwerke, Teil der glanzvollen Spektakel zur Belustigung des umfangreichen Hofstaats, der Versailles bevölkerte. Die magische Atmosphäre, von Zeitgenossen geschildert, wurde nicht zuletzt von der Magie des Wassers gezaubert.

Es bedurfte allerdings eines ungeheuren technischen und personellen Aufwands, um die unzähligen Wasserspiele und Fontänen im Park sprudeln, fließen und springen zu lassen. Aber die Beschaffung des enormen Wasserverbrauchs zur Prachtentfaltung stellte ein Problem dar. Die Seine liegt tiefer als das Gebiet von Versailles. Ein gigantisches Hebe-Pumpwerk, ein Ungeheuer, die Maschine von Marly schaffte den Niveauausgleich unter ohrenbetäubendem Lärm. Durch ihre Größe, ihre Kosten und die Bewunderung, die sie erweckte, stellte sie alle bisherigen mechanischen Apparate in den Schatten. Von Ingenieuren aus ganz Europa besucht, galt sie jedoch schon bald als zu ineffizient, als „hydraulischer Dynosaurier“. Man hatte inzwischen effizientere Möglichkeiten zum Pumpen von Wasser entwickelt. Das Ungetüm von Marly gab schließlich auf - nicht zuletzt aus Kostengründen wurde das Wasser nur noch kurzzeitig in Bewegung gesetzt, wenn nämlich der König die Fontänen passierte.

Die Wasserspiele und das Schloss von Versailles wurden zum Vorbild für die europäischen Potentaten. Großflächige Gartenanlagen mit den Wasserspielen waren Ausdruck des Selbstverständnisses absolutistischer Fürsten. So war die Sommerresidenz Peters des Großen am Finnischen Meerbusen, Schloss Peterhof (erb. 1704), durch einen Seekanal mit der Ostsee verbunden. Bei seinem Besuch in Versailles hatte er die Bedeutung der inszenierten Wasserspiele kennengelernt. Sein Hof profitierte vom dortigen Wasserreichtum. Unterirdische Quellen und die natürliche Geländeneigung konnte hier für ein selbstregulierendes Wasserführungssytem zur permanenten Speisung der vielen Fontänen genutzt werden, so dass diese ganz ohne Pumpen betrieben werden konnten.

Allein im Unteren Park läuft das Wasser über vier Kaskaden und schnellt aus 144 Fontänen in die Höhe. Barocke Wassergebilde, geformt aus schrägen Düsen der Fontänen, dramatisieren den Figurenschmuck. In sehr feinen Wasserstrahlen bricht sich das Licht in den Farben des Regenbogens. Neptun am Hauptbrunnen symbolisiert die Seemacht. Der Seekanal stellte die Paradeeinfahrt Peters der Großen dar, der seine Residenz nach dem Vorbild der absolutistischen Herrscher Europas in Richtung Wasser öffnete.

In der Parkanlage von Schloss Schleißheim sollten die Kanäle niederländisches Flair versprühen, da der Kurfürst dort einige Jahre als Statthalter tätig gewesen war. Ein langer Mittelkanal verbindet das Alte Schloss mit dem von einem Ringkanal umlaufenden Schloss Lustheim. Die schmalen Seitenkanäle verlaufen in einem langgestreckten Oval. Der Große Kanal und der Ringkanal sind über ein System von Wasserstraßen, dem Nordmünchner Kanalsystem, mit dem Nymphenburger Schlosspark verbunden. Das Kanalsystem, das von der Würm und der Isar gespeist wird, diente während der Bauphasen als Transportweg für Baumaterialien und Frachten, auch für höfische Spazierfahrten mit eigens dafür engagierten italienischen Gondolieri.

Die Wasserkünste, wie man die fürstlichen Wasserspiele und Brunnenanlagen mit ihrem inszenierten Wasserfluss in Renaissance und Barock nannnte, sind nicht zu verwechseln mit dem gleichlautenden Begriff Wasserkunst für ein System zur Förderung und Leitung des Wassers.

Das Bürgertum, das mit einzelnen Vertretern wie etwa der Familie Fugger mittlerweile zu sagenhaftem Reichtum gelangt war, hielt sich mit der Anlage derart pompöser Gärten eher zurück. Von den in Einzelfällen sicherlich repräsentativen Gärten, die gut betuchte Bürger und süddeutsche Patrizierhäuser anlegen ließen und die deren humanistisches Weltbild widerspiegelten, hatte aber keiner über die Jahrhunderte Bestand.

 

Verwendete Literatur und weiterführende Links

 Vgl. Thomas Brandstetter, Kräfte Messen. Die Maschine von Marly und die Kultur der Technik 1680 - 1840, Diss. Wien 2006, S.7 f 

https://docplayer.org/50608456-Die-maschine-von-marly-und-die-kultur-der-technik.html

https://www.versailles-palace-tickets.com/de/versailles-gardens-fountain-shows/

https://de.wikipedia.org/wiki/Schlossanlage_Schlei%C3%9Fheim

 

2.4. Wasser als Stimmungsträger im Landschaftsgarten

Die Wasserverschwendung in den Gärten von Louis XIV. wurde schon zu dessen Lebzeiten kritisiert. Aber erst die französische Revolution und die Aufklärung wiesen den Gärten und Parks mit ihrem Wasser eine andere Rolle zu. Zurück zur Natur wurde zur neuen Losung. In Frankreich entstanden bereits Gegenmodelle, aber vor allem in England entwickelte sich der Landschaftsgarten. Die Natur wurde nicht mehr in das strenge Formenkorsett gepresst, das Wasser nicht mehr durch die Düsen von Wasserspielen gejagt, um in die Höhe zu schnellen. Es floss nun ruhig oder es plätscherte sanft.

Es waren nun mäandernde Bachläufe, welche die Gärten in Anlehnung an die natürliche Bewegungsform des Wassers durchzogen. Überall siegte die gewellte „Schönheitslinie“ über die streng geometrische Form, auch an den Ufern von Flüssen und Seen. Nicht nur das Wasser schlängelte sich durch die Parks, sondern auch Wege und Pfade. Die geschwungene Linie wurde zum Sinnbild für eine naturnahe Ästhetik.

Ein wesentlicher Impuls des Englischen Gartens ging von der Landschaftsmalerei aus. Der Garten wurde zum begehbaren Gemälde, das Wasser zum Stimmungsträger. Die Gartentheorie ordnete verschiedene Formen des Wassers unterschiedlichen Gemütszuständen zu. Die Bäche murmeln oder plätschern, der See liegt ruhig.

Der Englische Garten in München wurde als erster öffentlicher Bürgergarten Europas in Auftrag gegeben und 1792 eröffnet. Er wird von mehreren Bächen durchflossen, die im Verhältnis zu den Wasserläufen in Gartenanlagen früherer Epochen naturnah sind. Der Kleinhesseloher See wurde als künstlicher See angelegt, auf dem Enten und Schwäne, später auch Boote dahinglitten. Die für den damals in Mode gekommenen Gartentypus obligatorischen Bauten, ein Chinesischer Turm etwa, Teehaus oder Monopterus bilden in diesem Geflecht von inneren und äußeren Rundwegen besondere, überraschende Blickpunkte. Er ist kurzum ein Erholungsrevier für die Bürgerinnen und Bürger, ein Stück idealtypischer Natur, das zum Spazierengehen einlädt, mit Biergartenbesuch und Picknick. Das heute beliebte sommerliche Baden im kühlenden Eisbach hat sich erst später etabliert.

Ein besonderer Landschaftsgarten, wie ihn Fürst Pückler anlegte, ist neben Muskau auch der Garten Branitz. Die ganz nach persönlichem Geschmack ausgerichteten privaten Parks des Fürsten dienten nicht seinem Repräsentationsbedürfnis, sie waren Ausdruck seiner „Parkomanie“, einer kostspieligen Leidenschaft. Inmitten eines Sees im Branitzer Park erhebt sich die Erdpyramide, die Grabstätte Fürst Pücklers und seiner Frau. Damit greift er auf die Anfänge der altägyptischen Gartenkultur zurück. Das scheint mehr als nur eine Reiseerinnerung an Ägypten zu sein, wo er die altägyptischen Tempelanlagen entlang des Nils besuchte.

Ein stark von der Romantik beeinflusster Landschaftsgarten ist der Giardino di Ninfa, der Garten der Nymphen in der Nähe des italienischen Ortes Cisterna di Latina. Er wurde als typischer englischer Garten ab 1921 von Gelasio Caetani am Ort der mittelalterlichen Stadt Ninfa errichtet, von der er einige erhaltene Ruinen restaurierte und in die Gartenanlagen einband. Seine Quellen und das in dieser Gegend fast in beliebiger Menge vorhandene Wasser machen ihn zu einer herausragenden Parkanlage in Europa.

 

Verwendete Literatur und weiterführende Links

http://www.gartenkunst-beitmann.de/weiter.php?buch=1&kap=10, Kap.45

https://de.wikipedia.org/wiki/Villa_d%E2%80%99Este

https://de.wikipedia.org/wiki/Branitzer_Park

 

3. Wasser und Steine in der ostasiatischen Gartenkunst

3.1. Die Seen als Spiegel des Himmels in der chinesischen Gartenkunst

Das Wasser ist in der 3.000 Jahre alten Tradition der chinesischen Gartenkunst Teil der sieben Dinge, mit denen ein Garten gestaltet wird: Erde, Himmel, Wasser, Steine, Gebäude, Wege und Pflanzen. Die chinesische Gartenkultur gründet dabei primär aber nicht auf einzelnen materiellen Gestaltungselementen, sondern auf einer Idee. Poesie, Malerei und Gartenkunst suchen seit Jahrtausenden nach der vollkommenen Harmonie der Landschaft und der Harmonie mit der Landschaft. Der Mensch soll, sobald er einen Garten betritt, den Weg zur vollständigen Harmonie mit der Natur finden. AIso hat im chinesischen Garten jedes der Gestaltungselemente an seinem spezifischen Ort einen symbolischen Gehalt, den zumindest dem Gebildeten geläufig ist.

Steine und Wasser als Yin und Yang sind dabei die wichtigsten der sieben Dinge und sie bedingen sich gegenseitig. „Tatsächlich bringen die Steine das Wasser erst in Form, ohne Steine ist Wasser formlos … Wasser wird kraftvoll durch Steine, Steine werden durch Wasser lebendig“, so die chinesische Gartenphilosophie (vgl. Chen Congzhou zitiert nach Zhang Zhenshan). Tempo und Form des Wassers werden von der Anordnung der Steine, von Ufern und Deichen geprägt.

Durch Wasser oder Erhebungen werden die Gebäude in den Gärten getrennt und durch zahlreiche Brücken wieder verbunden. Im Zick-Zack gelegte Steine zur Überquerung des Wassers sollen daran erinnern, dass der selten geradlinig verlaufende Lebensweg achtsam zu gehen ist. Böse Geister kennen nur den geraden Weg, wie es volkstümlich heißt. Die halbkreisförmig gewölbten Brücken ergänzen sich in der Wassersspiegelung zum Vollkreis, dem Himmelssymbol.

Der Spiegelung des Himmels, vor allem der des Mondes, wird in der Dichtung als Sinnbild der Illusion besonderer Wert beigemessen. Dem chinesischen Dichter Li Tai-pe erscheint „die kleine Brücke umgekehrt gleich einem Halbmond aus Jade“ (zitiert nach Gothein, Geschichte der Gartenkunst, IX ). Zur Betrachtung des Wassers und zur Meditation über die Spiegelung sind Veranden, Hallen, Wandelgänge und andere Gebäude mit offenen Seitenwänden am und über dem Wasser erbaut. Die berühmten Gärten von Suzhou führen die Wasserspiegelungen zur Perfektion.

Ebenso wichtig ist es, dem Wassers zu lauschen, was sich in Namen, wie „Pavillon zum Hören des Wasserfalls“ niederschlägt. Es gibt Regeln – meist nach Feng Shui, der chinesischen Geomantik zur Optimierung des positiven Energieflusses, bzw. dem Qui, das die Elemente in Einklang mit den Himmelsrichtungen bringt. Der schützende Fluss verläuft im Westen, von Ost nach West fließendes Wasser verheißt Glück. Teiche und Wege haben keine geraden Linien, da Qui lieber in sanften kurven fließt.

Von den drei Hauptszenarien stellen schäumende, von Höhen herabstürzende Wasserfälle das Schreckliche im Kontrast zum Lachenden dar. In der Beschreibung seines Gartens erwähnt ein Minister im 11. Jahrhundert alle Details, die auch den heutigen chinesischen Garten ausmachen: die mit Seerosen bewachsenen Teiche, die Fische und Schwäne, Wasserkaskaden, verschieden gestaltete Brücken und Trittsteine. Aus der Schilderung der Wasserläufe über Wiesen geht hervor, dass das Wasser auch die Funktion hatte, ein kühlendes Mikroklima im Sommer zu schaffen.

Anders als die Gartenkunst Europas und Kleinasiens hat sich die chinesische Gartenkunst über drei Jahrtausende durchgängig an den Religionen des Konfuzianismus, Daoismus und Buddhismus orientiert und an den durch sie beeinflussten Philosphien. Dabei war sie von Beginn an eng mit der chinesischen Malerei und Dichtkunst verknüpft. Wegen dieser langen Tradition sind Unterschiede je nach Dynastien und Regionen zu erkennen, es gibt Kaisergärten, Privatgärten, ausgesprochene Dichtergärten oder Gelehrtengärten. Vor allem in der Quing Dynastie (1644 – 1911) ließen sich wohlhabende Beamte Gärten gestalten, um mit Freunden Feste zu feiern, zu musizieren oder zu dichten. Schon früh gab es auch öffentliche Gärten, z. B. die Gärten an den Tempelanlagen.

Wegen des malerischen Stils der Gärten wurde angenommen, der englische Landschaftsgarten in Europa habe seinen Ursprung in China, zumal französische Missionare und englische Gesandte Kupferstiche der chinesischen Gärten mit nach Europa brachten. Die Ähnlichkeit ist jedoch nur äußerlich, denn der Mensch-Natur-Bezug unterscheidet sich grundlegend. Die Chinesische Gärten stellen einen Mikrokosmos dar, eine idealtypische Natur.

Die Schönheit eines chinesischen Gartens lässt sich in den Gärten der Welt in Berlin-Marzahn bewundern. Im Zentrum des chinesischen Gartens liegt ein großer See, der „Himmelsspiegel“. Die chinesischen Gartenarchitekten gaben ihm den Namen „Garten des wiedergewonnenen Mondes“, und widmeten ihn der wiedervereinigten Stadt. Ein streng nach den Prinzipien der chinesischen Gartenkunst angelegter Garten befindet sich an der Bochumer Universität. Sehr erhellend führt das Buch des Architekten Zhang Zhenshan den Leser durch die chinesische Gartenphilosophie. Der Garten entstand als Symbol der Freundschaft zwischen der Ruhr-Universität Bochum und der Togji-Universität Shanghai.

 

Verwendete Literatur und weiterführende Links

https://omp.ub.rub.de/index.php/RUB/catalog/view/58/61/492-1

https://www.projekt-gutenberg.org/gothein/garten2/chap014.html

https://www.derkleinegarten.de/gartengestaltung/ideen-finden/gartenstile/fernoestliche-gestaltung/chinesische-gaerten/gartenbeschreibung.html)

https://de.wikipedia.org/wiki/Gartenkunst_in_China 

 

3.2. Japanische Gärten - mit und ohne Wasser

Die japanischen Gärten waren lange Zeit stark von der chinesischen Gartenkunst beeinflusst, bevor sie eigene stilbildende Elemente hervorbrachten. Bis zum Beginn des 13. Jahrhunderts entwickelte sich eine Art Grammatik für die Gestaltung japanischer Gartentypen. Zu den wichtigsten Gestaltungselementen gehören auch hier Teiche, Bäche, Insel, Hügel, Steine, Brücken. Es gibt ganz unterschiedliche Typen von Gärten, die von weitläufigen Parkanlagen bis zu winzigen Teegärten reichen, manche der Gärten wollen durchwandelt werden, andere laden zum kontemplativen Betrachten ein.

Von den spirituell motivierten Gartenanlagen unterscheiden sich Gärten, die vorrangig der Repräsentation von Reichtum und Macht oder dem reinen Vergnügen dienen. Häufig werden in den Gärten reale Landschaften nachgebildet, wobei man sich durchaus nicht immer mit einer idealtypischen Miniatur begnügt. Besonders beliebt ist eine Nachbildung des Fujiyama. Einer Sage nach ist dieser für Japaner vollkommenste Berg aus dem sich auftürmenden Erdreich entstanden, wobei gleichzeitig der Biwa-See entstand. Berg und See gehören zusammen, bedingen sich gegenseitig.

In allen Gärten sind neben den Bächen und kleinen Wasserfällen auch Teiche ein zentrales Element. Sie stellen oft Seen oder Meere dar und sind Heimat der Koi-Karpfen, die ihre Bedeutung und die vielen Mythen, die sich um sie ranken, allerdings erst im 19. Jahrhundert erhielten. In manchem der Wandelgärten sind die Teiche groß genug, um mit einem Boot zu einem der Inselgärten mit ihren schöne Pavillons zu fahren. In den Teegärten sind Wasserbecken oder Wassersteine zur rituellen Reinigung der Hände aufgestellt. Daneben stehen steinerne Laternen zur Beleuchtung, die wegen ihres Symbolcharakters als Leuchtturm die Wirkung des Wassers verstärken. Häufig hört man den japanische Brunnen mit den zwei Bambuszuläufen, deren oberer den unteren füllt, so dass das Wasser in den Brunnen zurückfließt, wenn dieser voll ist. Wenn Bambus beim Zurückspringen auf den Stein trifft, ertönt ein „Klonk“-Geräusch, das die Aufmerksamkeit auf sich zieht. Im Berggarten darf Wasser keinesfalls fehlen, ein Wasserfall soll die Mitte beleben, Wasser danach von Ost nach West fließen. Besonderen Stellenwert besitzt die Quelle, der schnell fließendes Wasser entspringt.

Eine Sonderform des japanischen Gartens ist der wasserlose Zen-Garten, den Mönche im 13. Jahrhundert von China nach Japan brachten. Angeregt durch die „Nichtheit“ des Zen-Buddhismus wird auf kräftige Farben und Dekoration verzichtet. Der reine Betrachtungsgarten besteht nur aus den vier Elementen, Stein, Moos, Wasser und Baum, die beiden letzten allerdings in lediglich symbolischer Form. Wasser wird mit Sand und Kies dargestellt, Wasserfälle durch Felssteine.

Der Eindruck von Wellen wird durch geharkte Linien ohne Anfang und Ende erreicht. Mit einem Rechen werden sorgfältig verschiedene Muster gezogen, gerade Linien stehen für das gemächliche Fließen eines breiten Stromes, Wellenmuster für die Bewegungen des Meeres. Ein Zengarten kommt also ganz ohne Wasser aus, bleibt auch sonst im Materiellen minimalistisch und diente früher ausschließlich der Meditation.

 

Verwendete Literatur und weiterführende Links

https://www.wikiwand.com/de/Japanischer_Garten

https://oryoki.de/blog/japanischer-garten/

http://www.sansui-en.de/pdf/japan_gartenrat.pdf