Kurische Nehrung

 

 

  Kurische Nehrung Koordinaten

 

 

Die knapp 100 Kilometer lange und bis 3,8 Kilometer breite Kurische Nehrung ist nicht nur eine der beeindruckendsten Dünen- und Wasserlandschaften Europas, sondern auch ein bedeutender Kulturraum. So wurde sie im Jahr 2000 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt - auch, wenn eine Würdigung als Weltnaturerbe denkbar wäre.

Im Lauf der Geschichte bildeten die Nehrung, das Haff und die Landschaften am Unterlauf des Flusses Memel, der bei Rusne mit einem großen Delta ins Haff mündet, einen häufig umkämpften und doch recht einheitlichen Kulturraum. Die beiden Weltkriege brachten Ostpreußen und dem Memelland dann unruhige Zeiten, dem großen deutschen Bevölkerungsanteil schließlich Flucht und Vertreibung. Bereits Monate vor der Potsdamer Konferenz war das Gebiet der Sowjetunion zugesprochen worden. Seit 1945 gehören die nördlichen 52 Kilometer der Nehrung zu Litauen, ihr Süden zur russischen Oblast Kaliningrad.

Aus ökologischer Sicht ist die Gegend wegen der unterschiedlichen Salinität ihrer Wässer interessant. Die Memel führt dem Haff große Mengen an Süßwasser zu, wodurch auf 1.584 Quadratkilometer eine Brackwasserzone mit einem Salzgehalt von maximal 8 Promille entsteht. Die Ostsee jenseits der Nehrung hat zwar einen Salzgehalt von weniger als einem Prozent (zum Vergleich: die Nordsee hat etwa 3,5 Prozent), trägt damit aber doch den Charakter von Salzwasser. Dadurch ist die Artenvielfalt nicht nur in den unterschiedlichen Wässern sondern auch auf den Salzwiesen, in den Auenlandschaften und Mooren des Memeldeltas, auf den sandigen Böden und Dünen des Haffs sehr hoch.

Eine der Attraktionen der Nehrung ist die Parnidis-Düne südwestlich des reizvollen Fischerdorfes Nida und nur gut einen Kilometer von der Grenze zu Russland entfernt. Mit rund 50 Metern ist sie nicht nur eine der höchsten, sondern auch eine der geheimnisvollsten in Europa. Wegen ihrer Wanderung mussten die Bewohner Nidas in der Vergangenheit ihren Ort mehrfach der Düne überlassen und an anderer Stelle neu aufbauen. Irgendwann werden all diese Nidas wohl wieder an der Oberfläche erscheinen.

Der Ort Smiltyne (früher "Sandkrug") im Norden der Nehrung wird regelmäßig von Fähren aus Klaipeda angefahren, die auch Wohnmobile befördern. Die Nehrung ist touristisch zwar gut erschlossen aber auch gut besucht, weshalb während der Ferienzeiten Reservierungen für Stellplätze und Übernachtung empfehlenswert sind.

Es bietet sich an, die Nehrung mit dem Rad zu erkunden und zu Fuß Abstecher an den Strand, ans Haff oder auf eine der Dünen zu unternehmen. Dabei sieht man noch Relikte eines Brandes, der 2014 eine Fläche von 130 Hektar zerstört hat. Ein gut ausgebauter Radweg verbindet die Fähre mit dem rund 50 Kilometer entfernten Nida. Er führt auch vorbei an vielen der idyllischen traditionellen Fischerhäuser und dem Sommerhaus, das Thomas Mann sich vor seiner Emigration hier hatte erbauen lassen. Heute beherbergt es ein Kulturzentrum. Alle diese Häuser sind zum Haff hin ausgerichtet.

Angesichts der stark gestiegenen Touristenzahlen wird inzwischen streng auf den Schutz der Landschaft geachtet. Die Parnidis-Düne darf man nur noch auf befestigten Bohlenwegen begehen, nachdem Klettereien an ihren steilen Flanken sie jedes Jahr einiges an Höhe gekostet haben.

Einen eigenen Reiz hat die Nehrung bei stürmischem Wetter, wenn der Wind von Westen hohe Wellen an die Küsten wirft und mancher Bernsteinjäger auf Pirsch ist, auf der anderen Seite sich das Haff nur leicht kräuselt. Die Nehrung ist bei jedem Wetter und zu jeder Jahreszeit ein lohnendes Ziel.