Birzai Karstseen

 

 

  Birzai Regionalpark Koordinaten

 

 

Der 1992 gegründete und zu etwa 20% bewaldete Birzai Regionalpark liegt wenig von der Grenze zu Lettland entfernt bei der namengebenden litauischen Stadt Birzai. Er schützt 14.659 Hektar einer einzigartigen Karstlandschaft mit bis zu 9.000 Erdfällen, mit Karstseen, Höhlen, Quellen und er stellt deren Kultur vor.

Die Bildung der Dolinen ist das Ergebnis einer weitflächigen und anhaltenden Auflösung des Untergrunds aus Gipsgrundgesteins durch Grundwasserströme und Sickerwasser. Die Gipsschichten liegen in dieser Gegend besonders hoch, was die Einbrüche fördert. Sie haben sehr unterschiedliche Formen, die teilweise die Grundrisse der eingestürzten Höhlen widerspiegeln.

Einige der Erdfälle haben Seen gebildet, während viele - vor allem kleinere - trocken sind. Welche der Dolinen durch Grundquellen und welche von Regenwasser gespeist werden, ist noch wenig erforscht. Auffallend ist, dass die Seen und Tümpel teils dunkles, teils helles und glasklares Wasser haben. Soviel man weiß, sollen Fische über die weitläufigen Höhlensysteme, welche die Erdfälle verbinden, von einem Tümpel zum anderen wechseln können.

Es wird viel erzählt von Bächen, die in den Ruinen verschwanden, von Seen, die sich neu gebildet haben, von Kadavern, die aus der Tiefe an die Oberfläche gespült wurden, und von Dolinen, die mehrere Male nacheinander einstürzten. Der Karst und seine Phänomene sind Teil der Mythen und Sagen, der Geschichte dieser Gegend.

In den letzten Jahren haben sich die Erosionsprozesse im Karst möglicherweise noch verstärkt. Auffallend viele Dolinen brechen neu ein, wie man beobachtet, und reißen dabei nicht nur Bäume, sondern auch Tiere und Gebäude in die Tiefe. Auch vom berühmtesten Erdfall, der rund 20 Meter tiefen Karves ola (Kuhloch) (56.206695, 24.694427), wird erzählt, dass sie ihren Namen erhalten habe, weil bei ihrem Einsturz vor rund 200 Jahren eine Kuh verschluckt worden sei. Sicher weiß man von dem relativ gut erforschten Kuhloch, dass es mit einem kleinen unterirdischen See in Verbindung steht.

Nicht weit entfernt findet man weitere bekannte Erdfälle mit Namen wie Velykų duobe (56.206563, 24.697378), Klevų duobe (56.207476, 24.690727), Ievos duobe (56.204795, 24.6965699), Barsuko Ola (56.210643, 24.690556) mit einem ausgeschilderten 700 Meter langen geologischen Lehrpfad und das "Fuchsloch" (6.210261, 24.691613).

Sieht man sich Luftbilder der Gegend an, so wird die Besonderheit ihrer Landschaft evident. Auf manchen Feldern erschweren Dutzende von Erdfällen die Bearbeitung, überall sieht man Gehölze, welche die Erdfälle umgeben, und es haben sich einzigartig geformte Wasserflächen gebildet, wie etwa der Kirkilai See (56.247662, 24.690961). Er wurde mit einem hohen Turm und Wanderwegen ausgestattet, von denen man die Wasserfläche sehr schön überblicken und sich ein Bild von der botanischen Vielfalt dieser Karstlandschaft machen kann.

Wo Erdfälle sind, da sind zumeist auch Quellen nicht weit. Die bekannteste ist die Smardones saltinis (56.200019, 24.623610) im Likenų Park nördlich der Ortschaft Pabirze, die einer Doline mit 15 Meter Durchmesser entspringt. Sie wurde schon Ende des 16. Jahrhunderts aufgestaut zum Sirvena See und bildet damit den ältesten künstlichen Wasserkörper Litauens. 1985 wurde die Karstquelle, die den Ursprung des Flusses Smardone bildet, zum geologischen Monument erklärt. Ihre Schüttung ist zu Zeiten der Schneeschmelze sehr hoch und ihr schwefeliges Wasser das aus dem Gips hochdringt hat den deutlichen Geruch nach faulen Eiern - das litausiche "smirad" bedeutet so viel wie "stinkt". Früher wurde das Wasser der Smardones saltinis für Heilanwendungen genutzt.

Zum Schutz des Trinkwassers wurde 1998 der Einsatz von Pestiziden und Düngemitteln in der Region eingeschränkt.