Teich des Salzbaches in Werl

 

 

   Salzbachquelle Werl Koordinaten

 

 

Die Quelle des Salzbaches im Stadtgarten von Werl macht sich heute zwar sehr bescheiden aus, soll hier aber stellvertretend für eine Reihe kleiner Salzquellen an die alte Tradition der Salzgewinnung entlang des Hellwegs erinnern und an die hervorragende soziale und wirtschaftliche Bedeutung, welche die Salzgewinnung in diesem Gebiet für lange Zeit hatte.

In den kreidezeitlichen Kalksteinaquiferen des artesischen Münsterländer Beckens zirkuliert nämlich ein als Sole bezeichnetes hoch versalzenes Grundwasser, das in zahlreichen Quellen im Norden und Süden des Beckens ausfloss. Die Sole mit einem Salzgehalt von bis zu 8% stammt aus weit im Untergrund liegenden Salzvorkommen des Zechsteins, die über tiefreichende Querstörungen hydraulische Verbindungen zum oberflächennahen Untergrund besitzen. Um 1855 wurden noch mehr als 130 natürliche und künstlich erschlossene, heute zumeist versiegte Sole-Austritte dokumentiert.

Im nördlichen Münsterland wird bei Rheine Sole gefördert, deren Herkunft allerdings auf Steinsalzvorkommen des oberen Buntsandsteins (Röt) beruht. Ebenso wie die im Lippischen Bergland treten die Salzquellen entlang von Störungen an die Oberfläche.

Für die Salzgewinnung entlang des Hellwegs waren die Solequellen - nicht zuletzt wegen ihrer Nähe zu Süßwasserquellen - schon immer von entscheidender Bedeutung. Erste Besiedelungsspuren aus dem Kulturkreis der Bandkeramiker sind für Werl bereits für die Zeit um 3000 v. Chr. in Form von Naturlehmpfannen zur Verdunstung von Salzwasser belegt. Weitere Funde, bei denen es sich um trichterförmige, poröse Ziegelsäulen handelt, die zur Aufnahme und anschließenden Verdunstung von Salzwasser dienten, lassen eine Salzgewinnung in der vorrömischen Eisenzeit vermuten. Eine erste schriftliche Quelle zur Salzgewinnung bieten Aufzeichnungen des Klosters Werden an der Ruhr aus dem Jahre 890, in denen von einem Salzzins im Raum Werl die Rede ist, der als Landpacht an die Mönche des Klosters zu entrichten war.

Die Saline in Werl lässt sich seit etwa1200 urkundlich nachweisen und hat bis 1919 Salz produziert. Eine besondere Erwähnung verdienen die sog. Werler "Erbsälzern", die zwar ab 1382 für Brunnen, Sole und Siederecht Zehntleistungen an den Kurfürsten von Köln erbringen mussten, jedoch ihr Siederecht und den Siedebetrieb bis in die Neuzeit gegen Ansprüche der übrigen Werler Bürger und der Kurfürsten von Köln zu verteidigen verstanden und im 18. Jh. sogar den Reichsadelstitel erlangten. Das Recht der Salzgewinnung und der Adelsstand waren erblich. Im ausgehenden 14. Jh. bestanden die Erbsälzer aus 48 Familien. Die Anzahl der siedeberechtigten Familien schrumpfte bis zum Ende des 16. Jhs. auf acht Familien. Heute gibt es nur noch zwei dieser Familien, da die anderen im männlichen Zweig ausstarben.

Die Privilegien dieser Erbsälzer waren für die gesellschaftliche wie wirtschaftliche Entwicklung der Stadt von großer Bedeutung. Sie stellten naturgemäß ein sehr konservatives und patrizisches Element mit rigiden Kontrollmechanismen dar, und der von ihnen beanspruchte Sonderstatus führte immer wieder in heftige Streitigkeiten mit der übrigen Bürgerschaft. Diese innerstädtischen Auseinandersetzungen endeten erst, als die 1708 geadelten Erbsälzergeschlechter 1725 aus dem städtischen Gemeinwesen austraten und in den Landadel übertraten.

1627 veranlasste der Kurfürst von Köln vor den Toren von Werl den Bau einer neuen Saline, des sog. "Neuwerks", um von dem allgemeinen Salzmangel als Folge des Dreißigjährigen Krieges zu profitieren. 1852 wurde die Saline Neuwerk mit der alten Saline Werl vereinigt und es entstanden große Siedehäuser und moderne Gradierwerke zur Anreicherung der Brunnensolen, so dass die Salzproduktion um 1904 auf 8.700 t/Jahr und damit auf den zweithöchsten Wert aller westfälischen Salinen anstieg. Nach Einstellung des Solesieden wegen eines nachlassenden Salzgehalts der Rohsole infolge ihrer starken Ausbeutung und dem Kohlebergbau, der nicht unerheblich in die unterirdischen Wasserführungen eingriff, wurde Salz günstiger in Steinsalzlagern gewonnen. Es existierte nur noch das 1885 gegründete Solebad, bis auch dieses während des Zweiten Weltkrieges aufgegeben werden musste.

Im Werler Stadtpark findet man heute einen 30 m langen und 8 m hohen Nachbau eines Gradierwerks und eine nachgebaute Siedehütte, in der das frühere Salzsieden dargestellt wird. Wer sich intensiver interessiert, findet in der Radtour entlang der Westfälischen Salzroute interessante weitere Informationen.